Die Design-Philosophie

Anfang der 1970er Jahre übernahm Bruno Sacco die Leitung der damaligen Hauptabteilung Stilistik und damit die Verantwortung für die Formentwicklung im Hause Daimler-Benz.

Das erste eigene Projekt war das „rollende Labor“, der legendäre Wankelsportwagen C111 – ein Design Statement.

Der Ende der 1970er vorgestellte C111-3 mit seiner aerodynamisch kompromisslosen und knackigen Linienführung beinhaltete Gestaltungsthemen, die sich in allen später entwickelten und vorgestellten Mercedes Fahrzeugen bis in die 1980er Jahre niederschlugen.

Die sich gleichzeitig mit dem C111-3 im Design-Prozess befindliche S-Klasse drückte 1979 diese Neuausrichtung sehr deutlich aus.

Trotz Einführung vieler Design-Innovationen war den Beteiligten von Anfang an klar, daß es keinen radikalen Bruch mit der Tradition geben und somit zu einem irreparablen Identitätsverlust kommen durfte. Es gab keine Entscheidungen für Innovation und gegen Tradition, sondern vielmehr ein Verständnis für Mercedes Design in Bezug zur Historie und seine Integration mit dem Ziel, es den technologischen Erfordernissen und Möglichkeiten der jeweiligen Zeit anzupassen.

Die drei wichtigsten Aussagen hierzu:

  1. Ein Mercedes muß immer wie ein Mercedes aussehen!
  2. Er soll dem Kunden alle Werte, die ein Mercedes hat und die der Kunde von ihm erwartet, symbolisieren.
  3. Das Design soll ein Maximum an Innovation im Respekt der Tradition von Daimler-Benz enthalten.

Diese seinerzeit formulierte Design-Philosophie war 1980 auch Gegenstand einer Ausstellung zum Deutschen Designertag in Karlsruhe – Titel dieser Ausstellung war „Gestalten – Gebrauchen – Verbrauchen“.

Die wesentliche Aussage lag darin, die einzelnen Modelle innerhalb einer Form-Familie zu sehen. Zugleich sollten sich aber auch alle Fahrzeuge kontinuierlich aus ihren Vorgängern weiterentwickeln. So wurde der Begriff „Vertikale Modell-Affinität“ geprägt. Dies bedeutet die formale Evolution einer Baureihe über ihre Generationen mit dem Ziel, den Vorgänger mit dem Erscheinen seines Nachfolgers nicht schlagartig alt aussehen zu lassen.

Gleichzeitig sollten sich alle zur gleichen Zeit produzierten Baureihen durch ein sinnvolles und erkennbares Maß an formalen Gemeinsamkeiten auszeichnen. Hierfür steht der Begriff „Horizontale Homogenität„.

Wie wir heute im Nachhinein alle wissen, ist dies Daimler-Benz in den 1980er und frühen 1990er Jahren bestens gelungen. Damals stand das Design noch mehr für die ingeniöse Leistung denn für moderne Effekthascherei. Was jetzt nicht heissen soll daß moderne Mercedes Fahrzeuge nicht mehr schön anzuschauen wären – im Gegenteil. Aber heute sprechen wir nicht mehr von 4 Baureihen, sondern gleich von weit über 10.

*enthält Auszüge aus einer internen Publikation „Faszination Mercedes Design“ 

Fotos: ©Daimler AG

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