Hupen für den Frühling!

Die älteren Leser von fünfkommasechs.de erinnern sich vielleicht noch an den kleinen Johannes. Früher hat der hier hin und wieder auch mal einen Artikel beigetragen oder Fotos gemacht. Das wird ab jetzt wohl wieder häufiger geschehen, denn es ist ja endlich Frühling!!!

Kaum zu glauben: so war das auch schon vor fünf Jahren, im Frühling 2007, als fünfkommasechs.de noch neu war, der namensgebende 560 SEL noch alt aussah und der Autor dieser Zeilen voller Stolz zum ersten Mal selbst zum Schraubenschlüssel griff. Das Ergebnis sollte bald für Verblüffung sorgen, nicht nur bei den Lesern, sondern immer wieder auch bei Werkstattmitarbeitern oder notorischen Haubentauchern, die beim Öffnen der Motorhaube stutzten. Stichwort: Vogeltränke mit Klammereffekt! Was war passiert?

Das ganze nahm seinen Anfang nach einer „großen Durchsicht“, die ich kurz nach dem Kauf meiner nautikblauen Diva auf eigene Initiative beim örtlichen Mercedes-Autohaus durchführen ließ. Ich dachte ich tue dem Wagen etwas besonders gutes, wenn ich ihn ungeachtet der zu erwartenden Kosten „gleich zu Mercedes“ brächte, um dort mal Leute mit blauem Kittel draufschauen zu lassen. Meine größte Sorge waren verdeckte Mängel, Wartungsstau und dergleichen mehr. Mit der Sternendiva zur Dialogannahme fahren muß aus heutiger Sicht nicht immer blauäugig sein, denn es gibt durchaus (wieder) einige Mercedes-Werkstätten mit einem profunden Know-How für die noch jüngeren Klassiker.

Im April 2007 aber war der 126er weder Gebrauchtwagen noch Klassiker: er fand einfach nicht statt, zumindest nicht beim offiziellen Mercedes-Benz-Partner, und schon gar nicht im idyllischen Main-Kinzig-Kreis.

So wurde mir statt einer langen Liste an Auffälligkeiten anderntags nur die Rechnung für einen kleinen Wartungsdienst mit der beiläufigen Bemerkung überreicht, daß wohl meine Hupe defekt sei. Man habe vorne gemessen und es komme kein Strom bei einer der beiden Hupeneinheiten an. Aha!

Natürlich hinterfragte ich das nicht – obwohl die Hupe gleich beim Ausprobieren auf dem Parkplatz funktionierte. Die Erfahrung einer praktisch unüberhörbar lauten, aber theoretisch ganz klar defekten Hupe war mir ebenso neu wie es – aus heutiger Sicht betrachtet – für die Mechatroniker des Autohauses wohl neu war, daß Fahrzeuge der Baureihe 126 zwar keine Schnittstelle für die StarDiagnosis, aber in der unteren Mittelkonsole einen Umschalter für die verborgenen Überlandfanfaren besaßen. Und je nach Schaltung kappt die eben den Strom zu Hupen vorne am Grill oder den Fanfaren unter dem fahrerseitigen Hauptscheinwerfer. Ob das zu einer Fehldiagnose geführt hatte?


Foto aus 2007: „HU-DI 466“ war Saisonfahrzeug, stand nur im Winter in der Garage und hatte aus Trotz schlaffe Hupen

Papperlapapp! Es gab einen Befund und damit Handlungsbedarf, über den ich mich freute. Immerhin lag der Tausch der beiden tellerminenförmigen Hupen vor dem Kühler in meiner körperlichen wie geistigen Reichweite. Ersatzteile am Teiletresen bestellen, sie anderntags schon dort abholen dürfen, eine Mutter und ein paar Schrauben lösen und wieder anbringen und dabei mindestens zwei Portionen Gerstenkaltschale in der Nachmittagssonne verzehren, um ein garantiertes Erfolgserlebnis zu genießen. So mußte das!
Und mal ehrlich: die beiden neuen Teile sahen doch auch gleich viel schicker aus. Tiefschwarz und mit einer geschwungenen Schallöffnung im Colani-Design, wahrscheinlich eine „Mopf“-Version. Hatten anno 1989, im Geburtsjahr des Blauwals, nicht auch The Art of Noise so welche auf einem LP-Cover?

Dumm nur, daß die nicht mehr so sauber unter das Kühlergehäuse paßten. Aber mit ein wenig „Nachdruck“ klappte auch das. Seltsam auch, daß sich der Hupen- bzw. Fanfarenton nun in beiden Schalterstellungen ziemlich gleich anhörte.

Mir deuchte bald daß man mir die falsche Teilenummer herausgesucht bzw. die falschen Ersatzteile geliefert hatte. Der nautikblaue Sternenkreuzer besaß fortan also vier Überlandfanfaren. Ich fand: das stand ihm zu!

Wenn dann nicht immer die Häme über mich hereingebrochen wäre, sobald ich oder jemand anderes versuchte, die Motorhaube zu öffnen. Dann hakte es nämlich, weil sich die Schalltrichter im Grill verfangen hatten. Ich werde nie den Gesichtsausdruck des Betreibers einer bekannten Klassikerwerkstatt vergessen, der in Sachen Altmercedes sicher schon alles erlebt hatte, aber nicht eine nur ein Spalt weit zu öffnende Motorhaube an einem unauffällig dreinblickenden 126er.

Zudem hatte meine „Installation“ schon bald ihren Spitznamen weg: die Vogeltränke, weil sich in der nach oben ausgerichteten Fanfare zwangsläufig das Regenwasser sammelte.

So ging das die letzten Jahre. Zwischenzeitlich war immerhin eine nagelneue Hupe in meinen bescheidenen Ersatzteilbestand gewandert, und ich besaß ja noch die ausgebauten Altteile von 2007. Es stellte sich heraus, daß beide noch funktionierten. Die eine mit der 400Hz-Tonlage hatte ich nun einmal neu, die alte mit 335Hz funktionierte zwar auch noch tadellos, sah aber bescheiden aus. Vor ein paar Wochen tauschte ich die Vogeltränken dennoch gegen diese beiden ein. Aber die Optik erntete – sehr zu Recht – ein vernichtendes, wenn auch diplomatisch formuliertes Urteil durch Herrn Dreikommanull. War ja klar! Die losen Kabel und die olle Patina gingen wirklich nicht.


Am vergangenen Samstag erwiesen sich erstmalig in diesem Jahr sowohl das Wetter, der Terminkalender und mein eigener Schweinehund als gnädig genug, um hier nochmal ganz ohne Zeitdruck nachzubessern. Aus Gaffertape formte ich Schrumpfschläuche für die Kabelage, mit seidenmattem Sprühlack aus dem Baumarkt trug ich in mehreren Schichten eine neue (wenn auch eigentümlich raue) Beschichtung für die 335Hz-Hupe auf und mit Hopfenblütentee aus Seligenstadt löschte ich dabei meinen Durst.


Während der Lack trocknete hatte ich nun auch Platz und Gelegenheit, die sterblichen Überreste einiger dutzend Tiere aus den Zwischenräumen der Kühlerlamellen zu bergen und gleichzeitig die verräterischen Druckstellen meiner alten Vogeltränken aus der Kühlerfront zu entfernen.

Noch eine Grundreinigung des Luftfilters samt Gehäuse, sowie die Massage einiger Gummi- und Kunststoffteile im Motorbereich mit Pflegelotion, und schon war das Bier alle und der Lack trocken.

Ich finde man sieht, daß da unterm Strich fünf Jahre Arbeit und viele Emotionen drin stecken, dafür aber kaum noch Insekten.


Lackieren will gelernt sein. Das hier ist sichtlich das Werk eines Förderwilligen und dessen FAUST-Sprühlack (20% Rabatt auf alles außer Tiernahrung)

Dasselbe kann man durchaus auch über fünfkommasechs.de sagen: im letzten Herbst hatten wir – ohne es selbst zu registrieren – fünfjähriges Jubiläum. Und schon ganz bald gibt es wieder etwas zu feiern. Seid gespannt und freut Euch mit uns auf die Saison 2012.

Wir wünschen Euch einen traumhaften Start, einen phantastischen Frühlingsanfang, allzeit gute Fahrt und vielleicht sieht man sich ja am Freitag auf der Retro Classics in Stuttgart! Denkt dran: Humor ist wenn man trotzdem tankt!

Fotos: ©fuenfkommasechs.de

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