300² – oder der Tag, an dem ich Segeln lernte.

Wie könnte man etwas anderes erwarten, so geht es bei mir natürlich wieder um die 300. Nicht ohne Grund heiße ich hier ja auch Dreikommanull – dem Kollegen Schlörb sei Dank!

Und das kam so: habe ich mich doch seinerzeit durch die Partei Bündnis90/Die Grünen dazu hinreissen lassen und mir eines dieser angepriesenen Dreiliter-Fahrzeuge gekauft. 

Das war bereits Ende 1999… ich zählte gerade 20 Lenze und hatte nun ein richtig gutes Gefühl – verfügte doch mein neuer Dreiliterwagen auch über einen geregelten Katalysator – es hatte nicht viel gefehlt und man hätte mich einen Umweltaktivisten nennen können!

Etliche tausend Liter Kraftstoff später und viele Jahre weiter schreiben wir unser Jahr 2012. Mittlerweile bin ich natürlich dahinter gekommen dass damals nicht der Hubraum sondern der Durchschnittsverbrauch proklamiert wurde. Tja, nun ist es zu spät meine lieben Grünen – aber meine BlechDiva™ gebe ich nicht mehr her. Wir haben ein unsichtbares & doch untrennbares Band zwischen uns und werden gemeinsam alt werden.

Warum nun 300² fragt Ihr euch? Hmm, wie fange ich am besten an… okay, das war so: eines Montag Morgens klingelte das Telefon und ein sympathischer Herr lud mich dazu ein den neuesten Sprössling der Mercedes-Benz Familie zu erfahren: den E300 BlueTEC HYBRID.

Jaaaa, ich höre euren Aufschrei, kein Vollmetall-Daimler und dann noch “nur” eine E-Klasse. Aber nun wartet doch erst einmal ab. Auch wir von fuenfkommasechs schauen gerne mal über den Tellerrand, denn das heuer 1 Liter SuperPlus zu 1,85 EURO gehandelt wird ist ein Umstand der sich nicht mehr wirklich ändern wird – leider wohl eher im Gegenteil.

Und nein (!) wir wollen niemanden überreden seinen treuen W126 zu veräussern um sich einen neuen Mercedes zu kaufen – eher soll dies hier mal ein kleiner Ausblick werden auf das was heute entwickelt wird bzw. schon entwickelt wurde, denn der neue 300 Hybrid ist eine Tatsache die ab dem 3.Quartal 2012 beim Händler stehen wird.

Wie war das eben? Achja, Anruf, Einladung… und schon stand ich in Stuttgart-Möhringen auf der Piazza umzingelt von vielen netten Menschen und ganz vielen tollen Sternen. U.a. eben einer Armada von E300 Hybrid Fahrzeugen, mit und ohne Sportpaket mit und ohne Tee (wie jeder sicherlich weiss nennt Daimler auch heute noch seine Kombimodelle T-Modell).

Die Wahl ist schnell getroffen – ein T-Modell muss es sein, der Grund ist schlicht frappierend, es stellt den derzeit einzigen Kombi-Hybriden dar den man käuflich erwerben kann und dazu bietet er auch genug Platz für meinen Weekender.

Wer sich jetzt immer noch fragt was das Alles soll und vor allem was es mit fuenfkommasechs zu tun hat, dem möchte ich eine Antwort mit auf den Weg geben: verantwortungsbewusste Mobilität auch in der Zukunft!

Das was 1979 mit sehr ähnlichen Worten eines der Kernthemen war als unser verehrter W126 auf die Bühne der Straßen gelassen wurde ist heute nicht minder aktuell – das Thema hat sogar noch etwas mehr an Dramatik gewonnen.

Wobei man sagen muss dass die Väter des W126 damals davon ausgingen, im Jahre 2000 wäre das Erdöl längst versiegt – ein Glück dass es nicht soweit gekommen ist. Aber Verbräuche von 15 Liter und mehr sind heute nicht mehr Alltagstauglich und das wissen auch viele Fahrer eines W126 – wenn sie ehrlich mit sich selbst sind – denn warum sonst haben sich so viele eine Gasanlage in ihr Auto einbauen lassen? Für uns von 5,6 kommt so etwas bekanntlich nicht in Frage, wir geniessen unsere KE-Jetronic lieber so wie sie erdacht wurde… pur.


Nun zurück zum heutigen Hightechmodell (dem was der W126 im Jahre 1979 auch war). Warum aber eine E-Klasse? Nun denn, der Vergleich passt sehr gut, die Aussenabmessungen sind recht ähnlich, im Innenraum aber hat der W212 genannte E sogar weit mehr Platz für die Passagiere zu bieten als unser W126, Kofferraumvolumen ebenfalls. Das Fahren in einer E-Klasse von heute hat auf alle Fälle etwas S-Klassiges, besonders noch wenn die zahlreichen Assistenzsysteme an Bord sind. Mein Testwagen E300 ist voll davon – gleich beim Start fällt das völlig andere Zeitalter auf. Der Zündschlüssel ist ohne Metallbart, die Lenkradsperre wird elektronisch entriegelt, Zündung Stufe II ist wieder wie im W126, doch dann, der Motorstart findet statt ohne das ein Motor gestartet wird. Es erscheint schlicht ein grünes “READY” im Tachometerdisplay und die Klimaanlage fängt an eine frische Brise in den Fahrgastraum zu fächeln.

Nun gut sage ich mir, Fahrstufe “D” einlegen und ab dafür – der Wählhebel nennt sich heute DIRECT SELECT und sitzt kompakt rechts hinter dem Lenkrad (praktisch wie zuletzt bei W108 und Strich8). Dafür gibt es nun zwei nicht minder interessante Cupholder in der Mittelkonsole.

Apropos: hat sich von euch noch nie Jemand die Frage gestellt warum der W126 eigentlich nicht einmal einen einzigen Cupholder besitzt!? Nirgends kann man eine Dose Cola oder Flasche Wasser unterbringen. Immer rollt es umher und nimmt Platz weg, ganz so als hätte man in den 1980er Jahren niemals Durst verspürt wenn man auf den Autobahnen, Highways oder Autostradas der Welt unterwegs war. Nun gut, ich rolle zur Schranke beim Pförtner und überrasche diesen sogleich, denn der Motor des E300 ist noch keine Sekunde in Betrieb gewesen, die ersten paar Meter lege ich völlig geräuschfrei mittels Elektroantrieb zurück.

Doch tritt man fester aufs Gas.. Pardon Fahrpedal so saust der Wagen umgehend davon – der Selbstzünder springt in Millisekunden an und ist gleich voll da. Was ein Selbstzünder? Ja, im E300 Hybrid werkelt ein Dieselmotor, noch dazu mit serienmässigem Etikettenschwindel, denn es ist kein Dreiliter sondern lediglich ein 2,2 Liter Triebwerk.

Aber das alles bereitet der Freude keinen Abbruch, der Wagen verfügt immerhin über 150 KW die im Spurt sogar von den 25 KW des Elektromotors unterstützt werden können. Dies alles in Verbindung mit der neuesten Getriebeautomatik die auf die klangvolle Bezeichnung 7-G Tronic PLUS hört lässt mich keine Sekunde daran zweifeln mit was für einem tollen Konzept ich bzw. WIR es hier zu tun haben.

Heutige Mercedes verfügen – sofern es geordert wurde – über eine ganze Armee an Assistenten die den Fahrer aktiv (und passiv) unterstützen. Waren es im W126 noch das fast schon obligatorische ABS und bei den späteren Modellen häufiger verbaute ASR, so haben wir hier ESP, Adaptive Brake, BAS und wie ganzen Systeme noch so heissen. Wirklich phänomenal aber ist der Tempomat DISTRONIC PLUS – Dank Radarsystem ist er in der Lage den Wagen absolut autonom durch den Verkehr zu leiten, ich konzentriere mich aufs Lenken und geniesse die Fahrt. Es ist wirklich erstaunlich wie toll diese Systeme heute arbeiten, zumal wir ja alle wissen dass solche Abstandsregelsysteme erstmals im W126 erprobt wurden. Selbsttätig wird gebremst und wieder beschleunigt, der Abstand exakt eingehalten wie von mir eingestellt – so macht auch eine A81 am Freitag Nachmittag Spaß.

Lasse ich es doch einmal zu Laisser-faire angehen und komme vom rechten Kurs ab, so vibriert entweder das Lenkrad und macht mich darauf aufmerksam oder der Wagen leitet eine Kurskorrektur ein und bremst die gegenüberliegenden Räder ab um den Wagen wieder auf seine Spur zu ziehen, untermalt wird dies dann von einer Grafik im Farbdisplay des Tachometers. Nicht das Ihr jetzt denkt das wäre beängstigend, ganz im Gegenteil, es ist so genial gelöst das es ein wahrer Spass ist.

German Engineering at it’s Best!

Die Geschwindigkeit verringert sich auch nur um 2-3 Km/h, man wird also nicht zum plötzlichen Problem für den fliessenden Verkehr.

Da die A81 in Richtung Süden über etliche starke Gefällestücke verfügt bemerke ich relativ schnell das mit dem Wagen (vermeintlich) etwas nicht stimmt. Je nach dem wie schnell ich unterwegs bin bzw. wie wenig stark ich auf dem Fahrpedal stehe schaltet sich der Motor ab. Ja wirklich, einfach ab!

Doch schnell fallen mir hier wieder die Worte ein die vorhin noch vom Projektmanager an die Teilnehmer dieser Tour gerichtet worden waren: der E300 BlueTEC HYBRID beherrscht “Coasting” bzw. zu Deutsch, Segeln!

Ja richtig, der Wagen kann Segeln und das auf der Straße, nicht zu Wasser. Je mehr ich mich darauf konzentriere um das System bzw. sein Verhalten überhaupt wahrzunehmen, desto mehr Spass bereitet es mir. Denn auf der Energieflussanzeige im Display der Mittelkonsole (dem COMAND-Display) kann man sich ein Verbrauchsdiagramm anzeigen lassen und sieht so sehr eindrucksvoll wie ökonomisch (oder eben nicht) man unterwegs ist. Für alle die es nicht glauben können: Energie sparen kann Spass machen, ja wirklich.

Während ich mit dem Wagen die Autobahn entlang rolle und Teilstücke nur im Segelbetrieb bestreite fällt mir wieder auf wie schön doch die Zukunft bzw. Realität sein kann. Was wirklich die Faszination Mercedes ausmacht – das wofür unser W126, jeder 300SL Flügeltürer oder ein Strich8 steht. Dies alles ist in jedem modernen Mercedes ebenso manifestiert – es wird bewusst erlebbar.

Wahrscheinlich hat sich so ähnlich die erste Ausfahrt in den neuen Reiselimousinen der S-Klasse angefühlt als Anfang 1980 die Journalisten diese Modelle erfahren konnten.

Ich erwische mich selbst dabei wie ich der Faszination fast vollends erlegen bin, denn auch dieser nagelneue Wagen ist ein Mercedes durch und durch. Klar verfügt er nicht über alle Tugenden die der W126 spielend beherrscht, dafür aber kann er Kunststücke und Dinge ermöglichen die dem W126 völlig fremd sind.

Beide müssen aber auch nicht Alles können – jeder Mercedes hat seine Epoche in der er “State of the Art” ist bzw. war. Speziell der W126 ist dies noch heute und gerade das macht ihn so wertvoll. Es macht keinen Spass über verstopfte Straßen zu Berufsverkehrszeiten zu fahren, dafür hat sich in den vergangenen 20-25 Jahren einfach zuviel verändert, dies alles kann ein neuer Mercedes einfach besser und nicht zuletzt (neben dem enormen Kraftstoffeinsparpotential) ist es eben auch die Sicherheit die einen Mercedes ausmacht! Es gibt immer nur ein einziges Auto auf der Welt in dem man sich sicherer und geborgener fühlt als in einem Mercedes und das ist der jeweils neuere Mercedes!

Hier noch ein paar technische Details zum Hybriden: er kann bis zu 2 Kilometer mit geringer Geschwindigkeit rein elektrisch bewältigen, mehr würde keinen Sinn machen, denn dies ginge gleichzeitig mit mehr Gewicht durch den deutlich größeren Akku (und auch mehr Platzbedarf der Technik) einher – dadurch resultierend weniger Einsparpotential. Angegeben wird der E300 BlueTEC HYBRID mit 4,2-4,5 L/100Km… dazu sage ich nur, das es problemlos möglich ist um 5 Liter Verbrauch zu erzielen, ein sagenhafter Wert für ein Auto das knapp 1,9 Tonnen wiegt (ca. 100 Kg Mehrgewicht bringt der Hybridantrieb mit sich) wie ich finde.

Alles ist vollkommen unauffällig integriert und es fanden auch keine Veränderungen im Innenraum oder Kofferraum statt – es ist praktisch eine normale E-Klasse die aber absolut fit für die Zukunft ist und – sofern gewünscht – auch den Spiel- sowie Informationstrieb des Fahrers vollkommen befriedigen kann.

Fazit für mich: absolut empfehlenswerter Wagen für den Alltag, hätte ich gekonnt, so wäre der Hybrid auch heute noch bei mir – selbstverständlich nur als Ergänzung für den Alltag und die anstrengenden Seiten des Lebens. Für das Wochenende und die sonnigen Seiten bleibt mein W126 (wie oben bereits geschrieben) auf ewig bei mir.

Warum wir bei 5,6 über solch ein neues Automobil berichten? Weil wir denken dass man ruhig auch den Anschluss an die heutige Zeit wahren sollte, es immer mal wieder interessante Themen und Neuentwicklungen gibt die es wert sind dass man über sie berichtet. Und letztendlich ist doch die Hälfte der Dinge die heute Standard sind in einem Mercedes der Baureihe 126 erstmals erprobt worden.

Fotos: ©fuenfkommasechs.de

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