Wie macht man einen Motorölwechsel?

Es sind die kleinen Dinge im Leben, mit denen man beginnen sollte. Wenn man in Neuland vorstößt und sich in ungeahnte Weiten begibt dann ist es schön zu wissen was man da gerade eigentlich macht.

Wir von fünfkommasechs planen schon seit Längerem einen Service für unsere treue Leserschaft – genauer gesagt eine Servicestation die Arbeiten am W126 aufzeigt die man durchaus selbst ausführen kann.

Den Auftakt bilden wir heute mit dem Beispiel eines Motorölwechsels – es ist hierbei wirklich unbedeutend ob der Automobile Traum vier, sechs oder acht Zylinder besitzt. Unterschiede ergeben sich i.d.R. immer nur bei Anordnung des Ölfilters, der Ölablassschraube und der Ölwechselmenge.

Doch bevor wir mit dem Ölwechsel beginnen müssen wir uns der spannenden Frage widmen – welches Öl nehmen wir?

Dieser Auszug aus einer Betriebsanleitung des W126 ist für alle Motorisierungen gültig. Früher als diese Fahrzeuge ganzjährig eingesetzt wurden, war es Gang und Gäbe dass man z.B. ein Winteröl (5W-30) und ein Sommeröl (15W-40) verwendet hat. Es gab aber auch immer schon den Kompromiss des Ganzjahresöls (10W-40).

Im Grunde kann man sagen dass die wichtigste Frage nicht nach diesen Zahlen beantwortet kann, sondern nach der Art des Schmierstoffes – es sollte auf alle Fälle ein vollsynthetisches Motoröl sein. Diese Öle sind in der Lage alle Problemstoffe einwandfrei in der Schwebe zu halten und so den Motor vor zusätzlichem Dreck zu bewahren. Auch weisen sie i.d.R. eine deutlich höhere Scherstabilität auf welches sie auf lange Sicht belastbarer macht. Ausserdem vermeidet man durch Verwendung (unter Einhaltung der Wechselintervalle) Schlamm, Teer und Öllack-Bildung im Motorinnern.

Mein M103 (die modernste Motor-Variante im W126) betreibe ich schon seit mehr als 10 Jahren ausschliesslich mit vollsynthetischem Öl: 5W-40 war jahrelang meine erste Wahl. Seit ich vor über 3 Jahren das Glück hatte, einen nagelneuen original Mercedes-Motor zu erwerben, kommt aber nur noch ein Öl zum Zuge: Mobil1 in der speziellen Viskosität 5W-50. Diese deckt sowohl Kaltstart bei niedrigen Temperaturen bestens ab, als auch dass es bei hohen Temperaturen (im Motor) noch recht “dickflüssig” bleibt und so sehr hohe Reserven bietet. Nicht ohne Grund verwendet Mercedes-AMG (gilt auch für den SLR McLaren) solche Viskositäten in ihren Motoren (BMW M-GmbH im Übrigen auch!).

Man benötigt für den Ölwechsel folgendes:

  • einen warmgefahrenen Mercedes W126 (mindestens 15-20 Kilometer)
  • frisches Motoröl in der benötigten Menge
  • einen Markenölfilter (MANN, Knecht, Bosch..)
  • einen Kupferdichtring für die Ölablassschraube
  • einen Rangierwagenheber
  • einen Trichter
  • ein Altölauffangbehältnis

Nun kann man sich eigentlich schon ans Werk machen – beim M103 mit seiner Ölfilterwechselpatrone ist es sehr hilfreich die spezielle Ölfilternuss in seinem Fundus zu besitzen – aber es ginge auch ohne. Bei den M116/117 benötigt man so etwas Spezielles nicht.

Hatte ich erwähnt dass das alles bei schönem bis hervorragendem Wetter deutlich mehr Spass macht?

Den Motor sollte man schön “ausbluten” lassen – d.h. man darf ruhig mal 10 Minuten warten bis alles ausgelaufen ist. Wichtig hierbei dass man den Öleinfülldeckel öffnet und auch nebenbei beginnt den Ölfilter auszubauen – dadurch ergiesst sich meist noch eine kleine Ölmenge in den Motor und kommt unten aus der Öffnung in der Ölwanne.

Als Ölfilter beim M103 kann man nur den MANN W719/13 empfehlen – bei Mercedes bekommt man leider nur noch einen sehr kleinen Ölfilter der an den kleineren M102 angepasst ist und nicht verbaut werden sollte. Beim V8 gibt es nur einen Einlegefilter den man bedenkenlos bei Mercedes beziehen oder aber auch im Zubehör von z.B. MANN kaufen kann. Die Ölfilterpatrone beim M103 wird mit leicht eingeöltem Gummidichtrand auf ihren Sitz von Hand aufgedreht und nachdem er leicht Handfest aufgeschraubt ist, noch ca. eine 3/4 Umdrehung gedreht (ca. 20Nm), der Ölfilterdeckel im V8 wird mit neuem Gummidichtring verbaut, die Befestigungsschraube mit neuer Unterlegscheibe mit ca. 25Nm angezogen.

Die Ölablasschraube wird bei beiden Motorvarianten mit einer neuen (!) Kupferunterlegscheibe eingebaut und beim M103 mit ca. 25Nm angezogen, beim V8 mit ca. 40 Nm.

Die Ölmenge beträgt beim M103 (2,6 & 3,0) immer 6 Liter. Bei den V8 Modellen M116/M117 (4,2; 5,0 & 5,6) beträgt sie immer 8 Liter.

Ich würde beim M103 jedoch nur rund 5,6 L und beim V8 nur rund 7,5 Liter einfüllen – den Rest im Kofferraum mitführen. Sinn und Zweck ist es, dass der Motorölstand am besten oberhalb der Hälfte zwischen MIN und MAX stehen sollte – die gute Goldene Mitte ist hier Trumpf.

Natürlich muss man sich an das in der Bedienungsanleitung geschriebene auch halten: d.h. vor jeder größeren Fahrt einmal den Ölpeilstab ziehen und den Ölstand des warmen Motors kontrollieren. Am besten nach dem Tanken, Ölpeilstab herausziehen, abwischen, einstecken und mindestens 15 Sekunden stecken lassen, herausziehen und ablesen.

Was kommt jetzt noch? Richtig, die Frage nach der Entsorgung des Altöls und des alten Ölfilters. Alle Stellen die diese Dinge verkaufen sind auch verpflichtet diese wieder anzunehmen – sprich man kann alles dort zurückgeben wo man es gekauft hat.
Man kann aber auch bei Baumärkten, der METRO etc. freundlich anfragen und darf dann dort meist kostenfrei seinen Ölfilter abgeben und auch die Ölmenge entsorgen.
Der Schwierigkeitsgrad hierbei ist sehr gering und es ist immer wieder ein gutes und befreiendes Gefühl seinem Wagen etwas gutes getan zu haben.

Nach erfolgreich vollzogenem Ölwechsel sollte man diesen natürlich zu Dokumentationszwecken in das Serviceheft eintragen. Siehe hier: KLICK

Viel Spass und Erfolg beim nachmachen wünschen wir von fuenfkommasechs.de!

Fotos: ©fuenfkommasechs.de & Daimler AG & HAZET

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