Ein Besuch des Mercedes-Stands auf der IAA ’79

Die 48. Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main, die einzige große Autoschau dieses Jahres, das automobilistische Ereignis der Welt. 1.359 Hersteller aus 39 Ländern – so viele waren noch nie da, das ist Rekord. Auf 136.711 Quadratmetern in Hallen und 49.650 Quadratmetern im Freigelände ist alles vom und rund ums Auto zu sehen, kaum Raum genug für die fachlich interessierten Besucher, für die schaulustigen Autofreunde, die in unübersehbaren Scharen durch die Messeeingänge quellen. 1.034.000 Besucher wurden bei der IAA ’77 gezählt, diesmal drängten sich 1.071.000 an den elf Ausstellungstagen durch die Mammutschau. Auch das ist neuer Rekord. “Zum Automobil gibt es auf lange Sicht keine Alternative”, sagte der Hessische Ministerpräsident Holger Börner anläßlich der Eröffnung der IAA ’79. Das Publikum weiss es…

Mit diesen Worten Begann seinerzeit ein Bericht der das bunte Treiben auf dem Mercedes-Stand in Halle 5 für die Mitarbeiter des Konzerns umschreiben sollte, für jene die nicht vor Ort sein konnten, beim Premierenfieber. Wir versuchen heute etwas ähnliches, denn der Autor teilt zwar das Geburtsjahr mit unserer S-Klasse W126, war dementsprechend aber (leider) nicht in der Lage jene 48. IAA persönlich zu besuchen.

Leider wird die IAA historisch betrachtet doch recht stiefmütterlich behandelt, es gibt nur äusserst wenige Fotos die man heute von der Daimler AG erhalten kann – aber dies soll nur konstruktive Kritik sein, immerhin muss man dazu sagen, dass es bei anderen Automobilfirmen da weitaus düsterer aussieht – hier könnte man eher den Eindruck erlangen dass es diese seinerzeit gar nicht gegeben hat!

Also bleibt nur eins – die Eigenrecherche…

In Halle 5 waren damals alle deutschen PKW-Hersteller vertreten, es war also keineswegs so kommod und gediegen wie in den letzten mehr als 20 Jahren in denen die Daimler AG die Festhalle der Messe nutzen konnte. Aus diesem Grund war der Mercedes-Stand auch recht übersichtlich aufgebaut – wir haben für euch den Original Übersichtsplan aufgetrieben:

Mit gerade einmal 10 Fahrzeugen war man damals vertreten – aber auch kein Wunder, hatte man doch nur drei PKW-Baureihen die sich dann noch in Limousine, Coupé, T-Modell und Roadster unterteilen ließen – mit anderen Worten, alles war recht übersichtlich.

Der Star der IAA ’79 war ganz klar die neue S-Klasse W126 – erstmals durch konkrete Zukunftsfragen geformt und bereit für das Jahr 2000 – soweit dachte man damals wirklich. Man wollte genügsame Fahrzeuge da man annahm in 30 Jahren gäbe es kein Öl mehr.

Bereits vor über einem Jahr haben wir durch einen freundlichen Altmercedes-Enthusiasten zwei sensationelle Fotos vom ausgestellten, silberfarbenen 380SE erhalten.

Diese Aufnahmen sind so rar, dass sie nicht einmal die Daimler AG in ihrem öffentlichen Fundus hat. Der interne Konzernbericht schrieb damals: Da hat sich der “IAA-Bummler” kaum vom Besucherstrom mit in die Halle 5 reißen lassen, und schon steht er vor einer im Scheinwerferlicht leuchtenden Hochgebirgslandschaft, die sich im Minutenabstand in Sonnenaufgang und Sommerlandschaft ändert. Vor einer Gletscherkulisse dreht sich langsam und elegant der metallic-silberne 380 SE, wie ein Mannequin, das sich von allen Seiten zeigen will.

Wenn man bedenkt dass der Otto-Normal-Bürger damals einen Videorekorder oder generell Videoinstallationen nur aus dem normalen Fernsehen oder aus Erzählungen kannte über Zukunftsvisionen kannte, so mutet der Mercedes-Stand doch schon recht spektakulär an – also durchaus vergleichbar mit den LED-high definition-Leinwänden auf der diesjährigen IAA die Dr.Z förmlich von einer Ecke in die andere beamten.

Dicht gedrängt ging es meist zu – auch wenn das oben gezeigte Foto (im Hintergrund die Videoleinwand und der silberfarbene 380SE) etwas anderes suggerieren vermag.

Als weitere Highlights werden der neue Turbodiesel-Motor für die T-Reihe (Fahrzeuge für Transport & Touristik) und der neue Personenwagenähnliche Geländewagen von Daimler-Benz präsentiert.

Natürlich wurden auch – wie schon seit Beginn der 1970er Jahre – auch auf diesem IAA-Stand von Mercedes die neuesten Entwicklungen aus der Forschung präsentiert. Im Jahr 1979 waren das zum einen der neue Fahrsimulator mit dem man mittels Computer eine Fahrt simulieren und somit auch reproduzieren konnte, die Zylinderabschaltung um bei großen Motoren Kraftstoff einsparen zu können wenn nicht die volle Leistung abgefragt würde und auch schon die Anti-Klopf-Regelung. Letztere ging bei Daimler-Benz Ende 1987 in den leistungsgesteigerten V8-Motoren (AKR) in Serie. Aber es wurde auch über Elektronik im Automobil gesprochen – elektronische Heizungsregelung oder gar einen Computer im Auto, der Reiserechner.

Die neuen Leichtmetallmotoren in der neuen S-Klasse waren ebenso ein Highlight und worden an exponierter Stelle präsentiert. Hierbei bestanden erstmals alle Teile aus Aluminiumlegierungen und erleichterten die Motoren so um teilweise mehr als 100 KG. Seit Anfang 1978 gab es den 5,0-Liter Leichtmetallmotor auch schon im C107, dem 450 SLC 5.0.

Der auf dem Ausstellungsplan als “500 SEL” ausgewiesene Wagen wurde kurzfristig nur in Form eines “500 SE” ausgestellt – ein Fahrzeug mit langem Radstand ist rechtzeitig bis zur IAA nicht fertig geworden.

In dieser Ecke des Mercedes-Stands wurden viele neue Details der neuen S-Klasse näher beleuchtet. Seien es zum einen die elektrisch verstellbaren Sitze, der neuartige elastische Stoßfänger, Airbag und Gurtstrammer oder das ABS Anti-Blockier-System.

Aber auch die Arbeit im Windkanal wurde verdeutlicht – immerhin war die neue S-Klasse mit einem Cw-Wert von nur 0,36 im Jahr 1979/1980 immerhin drei Jahre Weltmeister!

Der Bericht im Konzernheft endet mit einer kleinen Zusammenfassung der Ausstellungstage auf der IAA ’79: Scheinwerfer strahlen die Exponate an, blitzender Chrom, schimmernder Lack, ein Strom aus Menschen. Dort wo er sich am dichtesten staut, leuchtet im blauen Leuchtstoffröhrenlicht der Mercedes-Stern, dort präsentiert Daimler-Benz die von früh bis spät umlagerten Modelle der neuen S-Klasse. Stars unter Stars auf der Premierenszene. Und Stars unter den Gästen: Mireille Matthieu, Bernd Clüver, Dunja Rajter, Heino, Costa Cordalis und Peter Maffay, das sind nur einige.

Fotos: ©fuenfkommasechs.de & Daimler AG

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