Ein Wochenende der Superlative (Sternfahrt 2010)

Stellt Euch folgendes vor: die größte Autozeitschrift Europas und der älteste Autohersteller der Welt lassen Euch im kältesten kuscheligsten Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vom besten Rennfahrer seines Jahrgangs in der erfolgreichsten Oberklasselimousine der Geschichte vom modernsten Autohaus des Kontinents über die ehemalige Rekordstrecke der größten Stadt Deutschlands zum Hotel chauffieren. Das nennt man Superlative pur – und alles nur weil man seinen Mercedes liebt oder etwas besonderes mit ihm verbindet. Eine E-Mail an die Motorpresse Stuttgart mit Bild vom Auto, Kopie des Fahrzeugscheins und ein origineller Bewerbungstext genügten, um eventuell als einer von fünfzig Mercedes-Fahrern der Republik ausgewählt zu werden und ein unvergeßliches Wochenende in Berlin erleben zu dürfen.

Das ganze nennt sich fast schon bescheiden “Sternfahrt zum DFB-Pokalfinale“, wobei zwischen dem ersten Teil der Sternfahrt (also der Ankunft aller 50 Auserwählten samt Begleitung am Freitagnachmittag) und der Fahrt zum Pokalfinale am Samstagabend noch ein volles Programm mit Besichtigung der eindrucksvollen Mercedes-Benz-Welt am Salzufer, ein Galadinner im Inselhotel zu Potsdam, reichlich Geschenke und eine Bootstour über die Havelseen anstand.

Standesgemäße Parkplätze vor dem Olympiastadion zu Berlin. Hier standen die Autos auch noch den ganzen Abend, dann aber unter schärfster Bewachung | Foto: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

Spätestens jetzt dürfte klar sein, daß dies ein mehr als außergewöhnliches Wochenende gewesen sein muß. Und ich kann versichern, daß das Endspiel um den DFB-Pokal fast nur noch Nebensache für uns sein konnte, so sehr hatten uns die Erlebnisse davor bereits begeistert. Zwischendurch nahm ja auch noch der stellvertretende Chefredakteur der auto, motor und sport im Fond der hydropneumatisch gefederten Sänfte Platz und befragte Anka und mich ausführlich zum Hobby “Sternenkreuzer”, während wir im Konvoi und unter den bewundernden Blicken vieler Passanten durch das Regierungsviertel Berlins glitten. Das Ergebnis floß in einen doppelseitigen Artikel in der aktuellen Ausgabe der AMS und eine 25minütige Dokumentation ein, die am 20. Juni um 20:15 Uhr auf dem auto motor und sport channel gesendet wird.

Unter den 49 weiteren Teilnehmerpaaren der “Sternfahrt” waren so viele interessante und liebenswerte Menschen, daß manch einer wohl am liebsten noch eine Woche Urlaub drangehängt hätte – trotz des eiskalten und verregneten Monats Mai. Doch der Reihe nach…

Alles begann hier, auf dem Gelände der gar gewaltigen Daimler-Niederlassung am Salzufer zu Berlin, welche sehr zu Recht auch als “Mercedes-Benz Welt” bezeichnet wird.

Gegen 15 Uhr am Freitag, dem 14. Mai, reisen die Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet sternförmig zum Treffpunkt Salzufer an und werden dort von freundlichen Mitarbeitern und einem Kamerateam empfangen. Ich hatte vom lieben Jochen Kleiner erst am Vortag eine silberne Folienbeschriftung für die Heckscheibe erhalten – Werbung für die gute Sache, versteht sich. Als wir damit nur 20 Stunden später in Berlin vor laufender Kamera rückwärts einparken, dachte ich schon, einen PR-Coup gelandet zu haben ;-) “Fünfkommasechs.de” einmal kurz im Bild… das hätte uns schon stolz und glücklich gemacht. Aber es sollte weitaus dicker kommen…

An einem kleinen Tresen auf dem Parkplatz tauschen wir Autoschlüssel gegen Pfandkarte. Denn die Fahrzeuge – ein breites Spektrum von Pagoden-SL und W111 bis hin zum drei Wochen alten SLS-Flügeltürer – sollten vom Personal der Niederlassung während unseres Aufenthalts gereinigt werden.

Uns selbst erwartet man derweil irgendwo in der gigantischen Niederlassung. Hostessen weisen uns den Weg, doch ich stelle mich vorsichtshalber auch nochmal dem Posten an der Eingangspforte vor und nenne meinen Besuchsgrund. Der bedankt sich artig für die überflüssige Information und wünscht uns sichtlich erheitert einen wunderschönen Aufenthalt. Ein wenig erinnert die Situation an  Pappa ante Portas: “Mein Name ist Lohse! Ich kaufe hier ein…”
Hinter der Pforte eröffnet sich uns ein mehrstöckig angeordneter, nach innen frei geöffneter Prachtbau, in dem es Wasserflächen und Kletterwände, Grünflächen und Gastronomiebereiche, sowie ein Kinderparadies mit Scooter-Parcours (lauter A-Klassen, lieber Marc) gibt. Dazwischen Aufzüge und Rolltreppen, von denen man seinen Blick ungläubig über die vielen automobilen Attraktionen schweifen lassen kann. Ein roter Flügeltürer mittendrin… endlich sehe ich mal einen live! Aber Moment mal… die orange Flunder daneben… das ist doch…???

Tatsache!!! Da steht so mir-nichts-dir-nichts ein C111 Wankelmotor-Supersportwagen der späten Sechziger Jahre. Ganz sicher Bruno Saccos erstes wahres Meisterwerk, und ein Technologieträger par excellence.

Eigentlich sind er und die Einzelstücke dahinter Teil der Supersportwagenausstellung im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart, aber heute sind sie noch hier in Berlin – und wer sich traut, kann sie sogar anfassen. Einfach Wahnsinn!

Doch wir müssen weiter auf die Galerie im ersten Stock. Dort wartet zunächst unser Erkennungsbadge auf uns, und direkt dahinter ein Sektempfang samt Imbiß, umrahmt von 124er 500 E, einem R107 und einem W111 Cabriolet. Wer mutig ist, kann sich im Formel-1-Simulator ein Rennen gegen Jochen Mass liefern, der ebenfalls schon vor Ort ist und sofort nach Autogrammkarten gefragt wird. Die anderen Ankömmlinge sind – entsprechend der Vielfalt ihrer Fahrzeuge – eine wahrlich bunte Mischung. Erste Benzingespräche entstehen hier und da. Anka und ich halten uns vorerst an unsrem Fotoapparat, je einem Champagnerglas und (vorzüglicher) Kartoffelcremesuppe mit Rauchwurst fest. Später wird neben vielem anderen auch “echte” Berliner Currywurst gereicht – da schlagen wir erneut zu.

V.l.n.r.: Ralph Alex (stellv. Chefredakteur der AMS), Claudia Merzbach (Leiterin der Sportkommunikation der Daimler AG) und Andreas Tetzloff (Stellv. Leiter der Niederlassung Berlin)

Dann stehen unsere Gastgeber auf der Bühne: Claudia Merzbach, Leiterin der Sportkommunikation bei der Daimler AG, Ralph Alex von der auto, motor und sport und Andreas Tetzloff von der MB-Niederlassung Berlin. Nach der offiziellen Begrüßung wird uns insbesondere die oberste Etage der “Mercedes-Benz-Welt” ans Herz gelegt, wo man sich im AMG-Bereich mit Jochen Mass im roten Flügeltürer ablichten lassen kann. Uns verschlägt es dort zunächst aber an die Spielkonsole direkt vor der Rolltreppe:

Ganz blaß vor Schreck muß ich feststellen, daß entweder der SLS von AMG oder Gran Turismo 5, das im Herbst ja endlich erscheinen soll, noch einmal gründlich überarbeitet werden sollten. Mehrmals hatte ich es nämlich geschafft, den digitalen Flügeltürer auf der Nordschleife zum Heben seiner langen Schnauze und anschließendem Überschlag rücklings zu bringen.

Wir suchen schnell das Weite und finden es im noblen Séparée der Daimler-Marke Maybach, wo man sich zwischen Accessoires für die millionenschwere Dame ab 50 und einem sechs Meter langen “Zeppelin” für den Herrn einen sage und schreibe über 700.000 Euro teuren SLR Stirling Moss aus unmittelbarer Nähe ansehen kann. Dieser offene Traum in weiß ist das fulminante Abschiedsgeschenk von McLaren an Mercedes (oder umgekehrt) und schließt das Gemeinschaftsprojekt SLR mit einer beinahe grotesk wirkenden Hommage an das einstige Rekordfahrzeug Sir Stirling Moss’ eindrucksvoll ab. Allein schon mit dieser Fahrmaschine im selben, penibel klimatisierten Raum zu sein ist ein Privileg – und dem normalen Besucher der Niederlassung sicher nicht so ohne weiteres vergönnt.

Ein Autodach oder ein Platz für ein Nummernschild sind Alltagsprobleme, mit denen sich der Eigner eines “Stirling Moss” wie oben nicht plagen braucht. Der Outback um Abu Dhabi ist selten von Dauerregen geplagt, und Nummernschilder sind auf Privatbesitz ohnehin nicht erforderlich. Der Renn-SLR für den herkömmlichen Einkommensmillionär aus Deutschland findet sich dagegen abholbereit ganz unten im Parterre. Wir blicken hier sprichwörtlich auf ein Automobil mit einem Zeitwert von gut und gerne einer halben Million Euro hinab. Hmm! Doch… ja… es wird nach Verlassen dieser Niederlassung eine Weile brauchen, bis ich den eigenen 560er wieder als exklusives Luxusfahrzeug wahrnehmen kann.

Und genau diese Befürchtung relativiert sich schon im nächsten Moment, als TV-Producer und -redakteur Jan Ostendorf an mich herantritt und mir einen genialen Plan unterbreitet. Der soll zum Ergebnis haben, daß mein vergleichsweise bescheidener 126er neben dem Hersteller doch noch eine entscheidende Gemeinsamkeit mit den SLS’ und SLRs dieser Welt haben wird: den Fahrer!

Niemand geringeres als Jochen Mass soll mich nämlich in meinem eigenen Auto von hier nach Potsdam zum Hotel chauffieren. Das Fernsehpublikum wäre per fest installierter Cockpitkamera mit dabei und soll uns beide beim Fachsimpeln über den 560er im speziellen und Jochen Mass im allgemeinen begleiten. Ich bin baff, freue mich und möchte sofort auf Toilette.

Wir verbringen die verbleibende Stunde bis zur Abfahrt mit Gebrauchtwagensuche in den Bereichen der Kompaktklasse (Anka hat das Sternenfieber gepackt und sucht evt. Ersatz für ihren Wolfsburger) – und tun damit hoffentlich nicht den vielen exquisiten Exponaten und dem phantastischen Ambiente unrecht. Daimler ist am Berliner Salzufer Außergewöhnliches gelungen, aber uns und unserem 21 Jahre alten Spitzenmodell draußen auf dem Parkplatz steht jetzt ein Erlebnis bevor, das man mit Geld nicht kaufen kann. Entsprechend gering ist unser Aufnahmevermögen in den verbleibenden Minuten. Eine seltsame Mischung aus Müdigkeit von der langen Herfahrt, Vorfreude und Lampenfieber macht sich in mir breit.

V.l.n.r.: das Filmteam um Jan Ostendorf (Daumen hoch!), Janina Christian von GMR Marketing und Rennfahrer-Legende Jochen Mass

Nachdem der Nautikblaue verdrahtet ist, werde auch ich verkabelt. Dann kommt Jochen Mass und es ist sofort wie beim Mercedes-Stammtisch auf der Viehweide: “Was’n das für’n Baujahr? Hat der innen Velours? Ich hatte ja auch genau so einen, nur anders.”

Das Eis ist gebrochen und die Befürchtung eines peinlichen Themenmangels während der halbstündigen Fahrt wie weggeblasen.

Wir gehen um den Wagen. Mass’ rechter Handballen stemmt sich plötzlich gegen die A-Säule und bringt die Limousine in eine horizontale Schwingung, während er mit der Linken auf das Vorderrad deutet: “Da ist zu wenig Druck drauf, siehst Du?
Ich bin baff: “Ja, 2,3 bar! Er war mir neulich etwas zu knochig vorne.”
Mass: “Da gehören zwokommafünf bis zwokommasieben drauf, is ja ganz klar! Hinten kannst’ auch mal mehr draufmachen.”

Aus Sicht eines Karikaturisten, der ich ja mal einer war, drängt sich mir der amüsante Vergleich mit Talkshow-Geißel Peter Scholl-Latour auf. Das “ja, klar!” in vielen von Jochen Mass leise dahingesprochenen Sätzen würde auch zu einer Expertenmeinung über den Afghanistankrieg bei Maybrit Illner passen. Im Gegensatz zu Scholl-Latour hat Mass aber nicht nur Ahnung, sondern meistens auch recht.

Die Filmcrew muß uns disziplinieren, damit wir nicht alles Pulver schon abseits der Mikros verschießen. Jetzt wird erstmal das Boarding filmisch dokumentiert. Mass geleitet mich vor laufender Kamera ums Auto und läßt mich hinten rechts einsteigen, dann bezieht er selbst seine Fahrerposition. Ich reiche ihm den Zündschlüssel nach vorne und möchte jovial wirken, habe aber gehöriges Muffensausen.

Schon vorhin war mir aufgefallen, daß der Wagen bedenklich weit abgesackt war. Das hydropneumatische Fahrwerk spinnt bisweilen, wenn im Stand zuviel im Fahrzeug herumgehampelt wird. Nein, das mag sie gar nicht, meine Diva! Was nun, wenn der große 560er im Moment seines größten Triumphs schlapp macht? Das kannst Du mir und Dir jetzt nicht antun, dachte ich mir.

Ich weiß nicht mehr, ob Mass sich überhaupt Sitz und Spiegel eingestellt hat. Er startet ohne Vorwarnung, der gewaltige M117 heult auf und ich nuschele irgendwas von “Da sind sie alle acht!” medienwirksam richtung Kamera, während meine Augen wohl nur die Warnleuchte der Hydropneumatischen Federung am Armaturenbrett fixieren. Klaus Wennemanns flehendes “Hoooooch doch!” aus Das Boot kommt mir während der bangen Sekunden in den Sinn, da erlischt das HPF-Lämpchen endlich. Unglaublich! Da hat er seine 1,8 Tonnen Schwabenmetall plus Gepäck und zwei idealgewichtige Herren doch noch gestemmt – aber läßt sich erst feiern. Jetzt sind wir entspannt und ich fange langsam an, meine privilegierte Situation zu realisieren.

Als Werksfahrer im Unruhestand ist es Mass selbstverständlich gewohnt, noch marginal ältere Autos als diesen V126 aus 1989 zu pilotieren. Trotzdem schäme ich mich ein wenig für das immer noch leicht vorhandene Lenkspiel, den etwas unruhigen Leerlauf und die vom Meister selbst überführten, viel zu weichen Vorderräder. Mass aber zirkelt die 5,16 Meter lange Limousine elegant und hochpräzise über den Parkplatz richtung Schranke, wo ein [[S204]] mit der Kameracrew auf uns wartet. Dann geht es ein kurzes Stück im Konvoi weiter auf’s große Boulevard, von wo ab die C-Klasse uns den Vortritt läßt und lediglich hier und da einmal unauffällig längsseits kommt und überholt, um Fahraufnahmen von außen einzufangen.

Das alles geschieht im dichten Berliner Stadtverkehr, und ich könnte an Mass’ Stelle überhaupt nicht sprechen, sondern müßte mich auf die Spurwechsel und den Generalkurs konzentrieren. Mass aber redet ununterbrochen und gestikuliert dabei sogar mit der einen Hand, während die andere am großen Volant blitzschnelle Spurwechsel vollführt, ohne daß mir so etwas wie ein Schulterblick aufgefallen wäre. Als uns ein grüner Golf IV plötzlich hartnäckig von der Seite bedrängt, schließlich einfach zu uns rüberzieht und Mass ihm den Vortritt läßt, wird es kurz still und er seufzt. Vielleicht denkt er dasselbe wie ich über “diese VAG-Fahrer”, vielleicht aber hat er auch gerade meinen Nautikblauen dafür verflucht, daß dessen Kickdownschalter unterm Gaspedal verrutscht ist und er den gewaltigen Achtender nicht mal warnend hat fauchen lassen können.

Wenig später sind wir auf der Autobahn und Mass wechselt Spuren und Themen, als sei er daheim auf der Wohnzimmercouch. So habe ich (jemanden) mein Auto noch nie fahren sehen…

Dann sind alle Spuren frei und wir fahren plötzlich auf Höhe der alten Tribünen auf der Avus. Die leeren, rostigen Ränge der historischen Rennstrecke sind nun zu unserer rechten, wir werden langsamer, der Kamerawagen kommt auf backbord längsseits und filmt uns gegen den historischen Hintergrund. Mass am Steuer meines (!) Autos erinnert sich an seine letzte Zieleinfahrt hier und hört jetzt vielleicht den damaligen Jubel von den Rängen im Ohr. Ich erinnere nur, daß er mir irgendein Überholmanöver mit seinem Porsche beschreibt, das er hier vollzogen haben muß. Ich sitze hinten und kann diesen Moment sowieso kaum erfassen. Wäre dies ein Fernsehfilm, ich müßte wegen all des Kitsches umschalten… Als ich mich von meiner Gedankenstarre löse, haben wir bereits wieder ein anderes Thema.

“Ich hab den Sacco damals gefragt, ob man nicht auch das Lenkrad und das Armaturenbrett in Innenausstattungsfarbe anbieten könnte. Er fand das wohl nicht gut. Ich hab’s mir dann selbst so anfertigen lassen. Helles Leder, so wie die Sitze. Beim Armaturenbrett haben wir dann eingesehen, daß es doch zu sehr in der Scheibe spiegelt.”

Ich stelle mir bildlich vor, wie er als erfolgreicher Rennfahrer mit goldenem Siegerkranz um den Hals und rußigem Gesicht unter Blitzlichtgewitter in einen fabrikneuen 126er mit Leder “creme” einsteigt, der nach seinen Wünschen individualisiert wurde. Die Szene erinnert mich plötzlich an einen zeitgenössischen Werbespot:

“Da gab’s mal Ende der Achtziger oder Anfang der Neunziger eine Werbung mit dem Slogan, daß zwei Drittel aller Rennfahrer privat einen Mercedes fahren. Stimmte das?”

Mass nickt schmunzelnd: “Ja, klar! Jeder hatte irgend so einen! Es gab ja auch nichts vergleichbares… ich fuhr die Limousine, nen Fünfsechz’ger, den fand ich besser als das Coupé. Aber klar, beides waren wunderschöne Autos.”

Dann vertieft er sich in einer Bewertung diverser Motoren, der ich nicht recht folgen kann. Erst geht es um die Achtzylinder im 126er, Sekunden später um einen Zwölfzylinder. Oh nein, das muß er doch wissen, daß es den 126er eben nicht mit zwölf Töpfen gab und nur deshalb BMWs Siebener gegen Ende der Ära W126 mit der S-Klasse gleichziehen konnte. Ich verkneife mir korrigierend einzuhaken, da werden wir auch schon abgelenkt, weil die Straße vor uns gesperrt ist und wir einen U-Turn machen müssen. Ich halte den Atem an, denn aus dem Fond heraus sieht es durchaus eng aus, wenn man eine Limousine mit 12 Metern Wendekreis auf einer gefühlt nur 10 Meter breiten Straße umsäumt von Mauern um 180° wenden will. Mass zieht das in einer einzigen Lenkbewegung durch und weiter geht’s…

Später erst wird mir bewußt, daß ich zum Thema Zwölfzylinder vielleicht doch hätte einhaken können. Und zwar weil Mass natürlich recht hatte und durchaus selbst den Prototypen gefahren haben könnte! Daimlers Motorenpapst Kurt Oberländer hatte lange an einem V12 gearbeitet, und in den Achtzigern gab es mindestens ein einsatzbereites Exemplar in einer 126er-Karosserie, das aber im Grunde noch aus zwei zusammengeschweißten M103-Reihensechszylindern bestand. Vielleicht aber fuhr Mass sogar schon einen M120 der Nachfolgebraueihe in einem speziell umgearbeiteten 126er? Solche Testfahrzeuge hat es nachweislich gegeben. Der S-Klasse-Club hat bspw. vor wenigen Jahren einen 126er mit dem großen M119 der Nachfolgebariehe W140 in seine Obhut übernommen.

Rennwagen für eine halbe Stunde: unser ab jetzt “von Jochen Mass gefahrener” 560 SEL der Baureihe 126, Neupreis 153.000 DM, aus erster Hand, Zustandsnote 2, seit 4 Jahren und bis zum Ende seiner Tage unverkäuflich, kraft seines Hubraums Namensgeber dieser Website. Für die Sternfahrt trug er die Startnummer 16, für mich natürlich immer die 1 ;-)

Ich merke, daß ich eigentlich viel zu nervös und unvorbereitet bin, um mich wirklich sinnvoll mit dem Mann unterhalten zu können. Über die Traurigkeit, diese tolle und einmalige Gelegenheit vielleicht nicht optimal ausgenutzt zu haben, tröstet Mass mich mit spontanen Fragen und sich daraus ergebenen Dialogen plötzlich wieder hinweg.

Mass: “Darf ich fragen, was Du für den hier noch bezahlt hast?”
Ich: “Etwas über 9000 Euro, aber ich hab’ gut und gerne nochmal 15 reingesteckt. Das ist er mir wert gewesen. Der Wagen hat neu ja über 153.000 Mark gekostet.”
Mass: “Das ist der Wahnsinn… neuntausend für so ein Auto. Was hast’ denn alles schon machen lassen?”
Ich: “Nur das wichtigste. Zylinderköpfe, diverse Sachen am Motor und im Innenraum, sehr viele kleine Ersatzteile… und viel Lehrgeld hab ich bezahlt, weil ich mit allem gleich zu Mercedes bin, bis ich eine sehr gute Werkstatt in Köln gefunden habe. Ich wollte als Kind ja immer das Auto vom Bundeskanzler haben, deshalb muß er jetzt auch perfekt sein. Erst später ist mir klar geworden, daß der Kohl ja gar keinen 560er hatte, sondern nur nen 500er.”
Mass: “Ja, der Kohl! Das war ein guter Mann! Gab viel zu wenige von dem seinem Schlag, heute sowieso nicht mehr…”

Er sinniert (um nicht zu sagen: schwärmt) noch einige Zeit über Helmut Kohl und dessen Leistungen und stört sich nicht daran, daß dabei die Kamera läuft. Ich freue mich über seine “politisch-unkorrekte” Offenheit, denke mir dabei aber auch, daß mit Sicherheit nichts darüber im fertigen Film landen wird.

Zum Hotel sind es nur noch wenige Kilometer und inzwischen sind wir vom gewichtigen Kohl über das Thema Hydropneumatische Federung/Dämpfung (Mass zog bei seinem 126er die Stahlfederung vor) auf den W116 gekommen, das Vorgängermodell meines 126ers und die erste offizielle “S-Klasse”.

“Der Sechskommaneuner war schon brutal!”, sagt der Mann, der selbst schon 1200PS-Porsche gefahren ist, und meint das damalige Spitzenmodell der S-Klasse, den 450 SEL 6,9. Da ich zum Thema Hundertsechzehner so gut wie gar nichts beitragen kann, aber einen legendären Auftritt eines Sechskommaneuners im Film kenne, spreche ich ihn auf einen Kurzfilm an, von dem ich fest annahm, daß er ihn kannte.

In C’était un rendez-vous sieht man eine halsbrecherische, etwa achtminütige Fahrt quer durch das frühmorgendliche Paris aus Sicht einer an der vorderen Stoßstange befestigten Kamera. Kein Schnitt, keine Hinweise auf das eingesetzte Auto (außer einem Ferrari-Motorensound), und kein Indiz für die Identität des offensichtlich sehr geübten Fahrers. Ich komme weder auf den genauen Titel des Films noch den Namen des Regisseurs, erinnere mich aber daran, daß lange Zeit Jacky Ickx als möglicher Pilot des Boliden gehandelt wurde, den Mass sicher persönlich kennen dürfte.

Wie sich herausstellt, hat Mass entgegen meiner festen Annahme aber noch nie etwas von dem Kurzfilm gehört. Auch auf das Stichwort “Jacky Ickx” springt er nicht an. Daher konnte ich ihn auch wenig mit der Pointe überraschen, daß der eingesetzte “Rennwagen” aus dem Film ein “ganz normaler” 450 SEL 6,9 gewesen ist, weil nur der aufgrund seiner Hydropneumatik den nötigen Federungskomfort für die Kamera bot bei dennoch mehr als ausreichenden Fahrleistungen. Den Motorensound eines Ferrari hat man erst später hinzugefügt, um die Leute zu täuschen. Schade, ich hatte gehofft, er könnte hierzu etwas aus dem Nähkästchen plaudern…

Irgendwo auf offener Strecke außerhalb (West-)Berlins werden wir vom Begleitfahrzeug überholt und zu einem Zwischenstop gewunken. In unserem Achtziger-Jahre-Regierungsfahrzeug aus Westdeutschland sitzend witzele ich darüber, daß uns jetzt die VoPos filzen kommen. Mass entgegnet trocken, daß er immer nur geflogen ist nach Berlin, und genau deshalb nie über die Transitstrecke fuhr.

Statt eines Grenzers (Bilden Sie mal einen Satz mit “Gänsefleisch”! “Gänsefleisch mol ihr’n Köfferroum uffmochen?”) steigt nun der Kameramann in unseren Wagen, um mit der Schulterkamera einige Schwenks und Detailaufnahmen für Inserts zu filmen. Bislang hatten wir ja nur eine Mini-Kamera an Bord, die aus starrer Perspektive nach achtern in die Fahrgastzelle filmte.

Kurz darauf befinden wir uns bereits auf der Havelinsel Hermannswerder und fahren durch die Alleen vorbei an beinahe mondän anmutenden Anlagen, die zu DDR-Zeiten sicher nur linientreuem Führungspersonal zugänglich gewesen sein dürften, so unsere Vermutung. Mass erkundigt sich beim mitfahrenden Kameramann, der – wie sich herausstellt – ursprünglich sogar aus dem damals zur DDR gehörenden Teil des Großraums Berlin stammt.

„Die Leute hier im Osten hatten eine ganz andere Erziehung als die im Westen. Wir haben das gemerkt, wenn wir hier waren. Viel mehr Disziplin, und freundlich waren die auch. Die haben sich noch ehrlich und von Herzen gefreut.”, sinniert Mass über die alte DDR. Wir biegen auf das Gelände des Insehotels, wo bereits der Rest des Teilnehmerfeldes und unseres gesamtdeutschen Filmteams am Hoteleingang auf uns wartet.

Hier bewahrheitet sich wieder der Satz: in einer S-Klasse kommt man nicht an, sondern man fährt vor! Erst recht ist das der Fall, wenn Kameras warten und ein Prominenter aussteigt:

Für mich hätte es an dieser Stelle kein weiteres Programm, kein Galadinner, keine Schiffahrt über die Havelseen und kein DFB-Pokalfinalspiel mehr zu geben brauchen. Ich war selig! Womit hatte ich das alles hier verdient?

Letztlich fahre ich “nur” einen gebrauchten, großen Mercedes, von dem es heute viele beim Fähnchenhändler zum kleinen Preis zu kaufen gibt, und der obendrein für Teile der Bevölkerung in Erinnerung an die jüngere Vergangenheit nur ein alter “Teppichhändler-Benz” ist.
Ich bin schon glücklich, daß meine Freundin das Hobby mit (er)trägt, und ich selbst denke manchmal, daß ich diesen Wagen eigentlich gar nicht verdient habe, so phantastisch ist es, ihn zu fahren und besitzen zu dürfen. Die Rechtfertigung vor mir selbst, so viel Zeit und vor allem Geld in diesen betagten Gebrauchtwagen zu stecken war immer, daß er einfach einen ehrenvollen Ruhestand verdient hat, und zwar ohne Kirmesfelgen, weiße Blinker und Umbau auf Autogas. Und was soll ich sagen? Der alte Daimler hat mir diese Zuwendung doppelt und dreifach allein an diesem Maiwochenende in Berlin zurückgegeben!

In all meiner Euphorie war es trotzdem unangebracht, Herrn Mass mit einem kumpelhaften Schulterklopfer für’s Chauffieren zu danken, aber ich konnte einfach nicht anders. Jochen Mass nahm es mir wohl nicht krumm und wurde im Anschluß auch gleich interviewt zu seiner Fahrt in der alten S-Klasse. Ich bin gespannt, was er gesagt hat. Wenig später war auch ich an der Reihe, und während das halbe Kamerateam im 560er knieend ein Abschluß-Statement von mir aufnahm, fiel von selbigem offenbar auch alle Anspannung ab: das Hydro-Fahrwerk des nautikblauen Sternenkreuzers hatte sich komplett abgesenkt, so als streckte er alle Viere von sich:

Es ist mir klar, daß auch das große Sternenschiff ganz schön überwältigt vom Erlebten gewesen sein mußte. Ich habe auch gar nicht geschimpft, sondern auf (Wurzelnuß-)Holz geklopft, daß nichts Schlimmeres mit dem Fahrwerk sein würde. Der 560er hat großes Glück, daß es für Liebhaberfahrzeuge Begrifflichkeiten wie “kapitaler Totalschaden” eigentlich nicht gibt. Ein sanierungsbedürftiges Hydrofahrwerk wäre nämlich solch ein Fall…

An solche Dinge ist jetzt ohnehin erstmal nicht zu denken. Danke, Daimler, danke, auto motor und sport, danke GMR Marketing (die ein perfektes und reibungsloses Programm organisiert hatten) und danke Anka für Deine tollen Aufnahmen von unserem größten Auftritt mit unserem Sternenschiff. ;-)

Am 20. Juni wird es ja noch eine 25minütige Dokumentation auf dem auto motor und sport channel geben, in der einige der anderen Gäste gebührend vorgestellt werden, über die ich hier noch gar nicht geschrieben habe.

Beim Galadinner am Freitagabend jedenfalls lernten wir beispielsweise das Ehepaar Podstawa aus Recklinghausen kennen, das aus Polen stammt, untereinander aber auch privat nur deutsch spricht. Die beiden haben sich aus dem Urlaub vom Strand in Mexico für die Sternfahrt beworben (mit Verweis auf die “Sterne” die am Himmel von Mexico anders leuchten, oder so ähnlich). Manch einer hat sich ganz und gar mit Poesie für die Sternfahrt qualifiziert: Dr. Thomas Hintsch aus Mainz (unüberhörbar gebürtiger Stuttgarter) hatte ein mehrstrophiges Gedicht über seine persönliche Mercedes-Historie verfaßt, das er am Samstagabend im Sportpresseclub noch einmal vor versammelter Runde zum Besten gab, sogar trotz einiger darin enthaltener Kritik am Daimler. Wir haben mehrfach herzlich gelacht!

Natürlich gab es auch Teilnehmer, die nicht wirklich wegen ihrer Liebe zu ihrem Mercedes, sondern vor allem wegen ihres großen Interesses an Karten für das Pokalfinale ausreichend kreativ wurden, um ebenfalls einen Platz im erlauchten Kreise der Fünfzig zugesprochen zu kriegen. Mein herzlicher Gruß geht in den Landkreis Verden! Jungs, wegen Euch haben wir zum Verliererteam gehalten. Wir leiden noch immer…

Als leichtes Aperitiv zum Festmahl gab es den kleinen Promitalk mit Jochen Mass, der spontan auch nochmal seine Fahrt im 560er zum Thema machte, und Marko Rehmer (Ex Eintracht Frankfurt, olé!), die beide mit Frau Merzbach über die Formel 1 bzw. das anstehende Pokalfinalspiel diskutierten.

Im Verlauf des Abends werden wir mit allerlei Sport-Devotionalien reich beschenkt. Neben einer aufwendig produzierten Broschüre über die zwanzigjährige Geschichte des Mercedes-Fußballsponsorings für die Nationalmannschaft gibt es für jeden Teilnehmer samt Begleitung die offiziellen Trikots zur WM 2010, sowie je einen “vierten Stern für Deutschland” als Anstecker. Später verteilt und signiert Jochen Mass sein Buch “Auf Ideallinie in die Freihheit” und kommt zum Abschluß sogar nochmal an unseren Tisch, um sich von mir zu verabschieden. Ich lasse mich spontan zu der Bemerkung hinreißen, er möge dann doch auch morgen früh meinen Wagen bitte zeitig, vollgetankt und gereinigt für mich bereitstellen. Mass spielt den Scherz mit und antwortet: “Selbstverständlich, der Herr! Ich trage dann auch meine Chauffeur-Uniform!”

“Fette Beute” von einem großartigen Wochenende. Nicht im Bild ist die aufwendige DFB-Broschüre. Außerdem dürften viele der Teilnehmer obendrein noch einen edlen Mercedes-Benz-Regenschirm “versehentlich” mit nach Hause genommen haben. Den gab es aufgrund des leider anhaltenden Regenwetters leihweise für die Exkursionen zum Schiff und zum Stadion.

Nach einem langen, genußvollen Abend geht es am nächsten Morgen an Bord eines Haveldampfers. Der andauernde Nieselregen hat im Schiff zu so starkem Scheibenbeschlag geführt, daß man kaum etwas von der grau bewölkten Aussicht draußen wahrnimmt.

Foto: GES/Tobias Kuberski

Umso bemerkenswerter, daß die Stimmung an Bord auch bei alkoholfreien Getränken hervorragend ist und wir obendrein sehr lustige Tischnachbarn haben, mit denen wir uns die gesamte Schiffahrt über vortrefflich unterhalten. Werner Melzer und sein Sohn Martin wurden ausgewählt, weil Werner einen beinahe tödlichen Unfall mit seinem CLS hatte. Bei einem Frontalaufprall auf enger, abschüssiger Strecke an seinem Wohnort in der Nähe der Loreley war es nur den großzügigen Sicherheitsreserven seines viertürigen Coupés zu verdanken, daß er statt mit seinem Leben nur mit ein wenig Schmerzen im Brustkorb und Nacken für den Leichtsinn des auf seiner Fahrbahn entgegenkommenden Fahrzeugs zu bezahlen hatte. Und was macht Herr Melzer, der in seinem CLS 500 gerade dem Tod von der Schippe gesprungen ist? Er kauft sich das gleiche Auto einfach nochmal! Eigentlich logisch… und seinen Humor haben er und sein Sohn auch nicht verloren.

Anka resümiert später über das Wochenende, daß sie vor allem von den Menschen beeindruckt ist. Ich kann ihr nur zustimmen! Selten haben wir beide so viele wirklich liebenswerte Typen auf einem Haufen erlebt – und die Melzers haben wesentlichen Anteil an dieser Einschätzung!

Nach der Bootstour gibt es Mittagessen und gleich im Anschluß die Gelegenheit, eine kurze Mittagsruhe einzulegen – oder aber wie ich die seltene Gelegeneit zu nutzen, einmal einen nagelneuen SLS-Flügeltürer im Regen zu fotografieren.

Als ich durch die Scheibe hindurch den “Engine Start” Button des SLS mit dem Autofokus unserer Kamera anpeile und den Auslöser halb durchdrücke, leuchtet nicht nur der Fokuspunkt im Sucher auf, sondern plötzlich auch der Startknopf im Wagen selbst. Hatte der Infrarot-Transmitter der großen Canon einen kleinen Sensor im Wagen zum Aufwachen gebracht? Nein, der Eigner des modernen Silberpfeils persönlich hatte mich während seiner Zigarettenpause beobachtet und kurzerhand den Wagen (die Nummer 3 der Auslieferungsliste!) aus der Ferne für mich entriegelt.

“Mach ihn Dir ruhig auf! Dann kannst Du besser fotografieren!”

Ich zögerte einen Moment, weil es ja regnete. Andererseits… Flügeltüren müssen ja auch für etwas gut sein, z.B. als wirksamer Regenschirm! Herr W. aus Kaiserslautern hatte dieses Traumauto erst vor wenigen Wochen im Maybach-Center zu Sindelfingen abgeholt und seitdem immerhin schon 3000 Kilometer damit zurückgelegt. Auf meine Frage, ob er sich den Wagen wie einen klassischen Flügeltürer schonen und gleichsam für die Nachwelt bewahren wolle, antwortete er nüchtern, daß er ihn ganz normal im Alltag fahren und sicher auch eines Tages wieder verkaufen würde.

Was soll ich sagen? Danke jedenfalls für’s (Flügel)Türenöffnen :-)

Der silberne SLS sieht einfach phantastisch aus. Man muß ihn wohl live gesehen (und gehört) haben, um von einer anfänglichen Skepsis gegenüber der Rechtmäßigkeit seines verantwortungsvollen Erbes zu dem Schluß zu kommen, daß er wie einst sein Vorgänger schlichtweg das -pardon- geilste Auto des Planeten ist. Punkt!

Und der CLS mit nato-olivgrüner Folienlackierung war ebenfalls durchaus ein Foto wert:

Steffen Stotz, Eigner des CLS 350, nach dem Einsteigen in seinen mattgrünen Wagen: “Hieß es nicht in den Teilnehmerunterlagen, die bringen unsere Autos in der Niederlassung auf Hochglanz?

Dann schließlich startet das Ereignis des Wochenendes: die eigentliche Sternfahrt durch die Stadt, vorbei an einigen Fotopunkten bis hin auf den Olympischen Platz vorm Stadion. Diesmal jedoch bin ich der Chauffeur und niemand geringeres als Ralph Alex, stellvertretender Chefredakteur der AMS, unser Fahrgast im Fond.

Wir erhalten Instruktionen und Funkgeräte. Die Fahrzeuge sind in Fünfergruppen unterteilt, und jeder Gruppe ist ein Teamleiter bzw. eine Teamleiterin zugeordnet, der/die in einem schwarzen Viano vorausfährt und die nachfolgenden Fahrzeuge über die einigermaßen komplizierte Sternfahrt-Route lotst. Mit uns im Team ist das sehr humorvolle Ehepaar Hülle, die ihren Strich-Achter schon zu DDR-Zeiten gefahren sind und sich seinerzeit Ersatzteile aus dem Westen dafür haben einschmuggeln lassen, sowie Lars Perkampus mit seinem 124er-Cabrio als Schlußlicht der Truppe, der uns im Stadtverkehr später über Funk jeweils Lob oder Tadel für die vielen konzertierten Spurwechsel gibt.

Foto: GES-Sportfoto

Wir sind mit der Startnummer 16 das erste Fahrzeug in unserem Konvoi und genießen eine sehr streßfreie und lustige Fahrt durch das regnerische Berlin. An einigen Punkten warten die tapferen Fotografen im bisweilen strömenden Regen auf uns, so beispielsweise vor dem Brandenburger Tor, dem Reichstag und natürlich dem Olympiastadion.

Nach einigen kurzen und einem längeren Zwischenstopp fahren wir schließlich auf den wohl exklusivsten Parkplatz der Republik an diesem Tag, nämlich direkt auf das freie Feld vor dem Olympiastadion zu Berlin, wo alle Fahrzeuge eine fotogene Parkformation einnehmen. Wir kommen direkt hinter dem Flügeltürer zum Stillstand und verweilen aufgrund der wahrhaft polaren Kälte an diesem Mai-Wochenende noch eine ganze Weile im Auto.

Nach Gruppenfoto (s. ganz am Anfang dieses Artikels) folgt der Fußmarsch zum Stadion, wobei uns die Herren Melzer ganz aufmerksam unter ihre Regenschirme nehmen, an die wir selbet leider nicht gedacht haben. Hinterm Stadion wartet der exklusive Sportpresseclub auf uns, wo wir abermals vorzüglich versorgt und unterhalten werden, bis schließlich das Pokalfinalspiel beginnt.

Wie eingangs schon erwähnt, war das anschließende Fußballspiel dann prinzipiell nur noch eine kleine Zugabe zu einem fulminanten Wochenende. Hätte es überhaupt etwas zu beanstanden gegeben an unserer gesamten Zeit in Potsdam und Berlin, so wäre es allenfalls das Wetter gewesen. Und auch das war eigentlich Nebensache, denn wichtig waren die Menschen, die wir in diesem eineinhalb Tagen kennenlernen konnten, sowie die tollen Geschichten, die wir gehört haben.

Und als hätte der 560er es gespürt, daß der von Fahrgast Ralph Alex verfaßte Artikel zum Event ausgerechnet in der grünen “Eco Drive” Ausgabe der auto motor und sport erscheinen würde: das Sternenschiff begnügte sich im dichten Berliner Stadtverkehr mit einem Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 17,5 Litern Superbenzin! Ich glaubte schon an unfreiwillige Zylinderabschaltung…

Was bleibt ist eine wunderschöne Erinnerung, viele neue Bekanntschaften, ein kleines bißchen Ruhm dank der aktuellen Printausgabe der AMS und die Vorfreude auf den TV-Bericht am 20. Juni! Wir sind gespannt und danken allen Beteiligten von ganzem Herzen!

Einige weitere Schnappschüsse vom Sternfahrt-Wochenende gibt es hier zu sehen: [KLICK]

Fotos: ©fuenfkommasechs.de & Daimler AG

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