Fünfkommasechs vs. Sechskommaneun

Es wäre vermessen zu behaupten, daß der 560 SEL der Baureihe 126 das war, was zuvor der 450 SEL 6,9 für die Baureihe 116 gewesen ist. Der Fünfkommasechser ist im Prinzip bloß ein aufgebohrter 500er, der für die kaum relevante Mehrleistung von 35 PS einen Großteil seiner Laufkultur einbüßen mußte. Der Sechskommaneuner jedoch ist im Vergleich zu seinen 116er-Schwestermodellen eigentlich eine parallel verlaufende Baureihe für sich.

Seinen Motor des Typs M100 hat er aus dem großen Mercedes 600, allerdings nochmals hubraum- und leistungsgesteigert, wodurch er bisweilen satte 550 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle schickt und die Hinterräder den Wagen mit 286PS richtung Haubenstern katapultieren. Das ist gemessen an den automobilen Standards der Siebziger Jahre wahrlich Ferrari-Territorium. Und das bei einer an sich reinen Luxuslimousine, die weitaus mehr zu bieten hat, als schiere Leistung. Kollege Christiansen bezeichnete den 450 SEL 6,9 deshalb nicht ganz zu unrecht jüngst als das wohl “beste Auto der Welt”.

Wer also den 560er liebt, wird für den Sechskommaneuner sterben. Unsereins muß auf Messen mitten in den Pott fahren, um einen guten Sechsneuner einmal aus der Nähe zu sehen. Kollege Gerold “Fünfkommanull” Saxler hingegen braucht neuerdings bloß zur Garage zu laufen, um in einem Sechskommaneun zu sitzen – und zwar in seinem eigenen!

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Original-Auftragsbestätigung aus anno 1975. Am Kaufpreis sieht man, daß es sich sogar um einen eher mager ausgestatteten 6,9er handelt. Trotzdem läge das inflationsbereinigte Preisäquivalent heute bei ca. 180.000 Euro!

“Der Wagen steht bis Freitag noch sicher in der Garage des Verkäufers; ich musste gestern Abend aber noch mal zu ihm hin und Platz nehmen – unglaubliches Gefühl.”, sagt Hubraum-Aristokrat Saxler, der ab jetzt den Decknamen “Sechskommaneun” tragen wird. Neid und Mißgunst sind im Moment leider der einzige Inhalt unserer Gebete, mit denen wir Gerold in diesen schwersten Stunden seiner Auto-Biographie begleiten!

Es gratuliert schmollend das restliche Team von Sechs… äh… Fünfkommasechs.de!

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Gestern Abend war es soweit: “the eagle has landed” konnte man in einem ganz ähnlichen Zusammenhang vor einiger Zeit schon einmal im Internet lesen – seinerzeit ging es aber um einen 280SE aus Italien (einzige SA Metalliclack und Klimaanlage – keine Warnblinkanlage, keine Kopfstützen und keine Sicherheitsgurte).

Doch hier geht es um den SECHSNEUNER!

Die Schnappschüsse wurden dankenswerterweise gestern Abend noch von Gerold gemacht – jetzt können wir uns endlich mit ihm gemeinsam freuen… was muss das für ein Gefühl sein wenn man den Zündschlüssel dreht und ein 6,9 Liter Grauguss Triebwerk läuft an… wackelt da eigentlich die Erde? Kann man das auf einem Seismographen messen? Wir werden es in Erfahrung bringen!

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Skurril – auch schon für damalige Verhältnisse – das seinerzeit “Beste Auto der Welt” wurde ohne zweiten Aussenspiegel ausgeliefert. Wir finden, das muss so bleiben, erinnert es doch an die 1970er als das selbst im größten deutschen Auto ein aufpreispflichtiges Extra war.

Dein guter Stern auf allen Straßen, Gerold.

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