Härteprüfung: zwischen Death Valley und Fairbanks – auf Abnahmefahrt mit der neuen S-Klasse W222

Für viele Autofahrer ist es unvorstellbar, mit welchen Methoden und Mitteln die Industrie neue Fahrzeug-Generationen auf Herz und Nieren testet.
Allen voran Mercedes: bereits in den frühen 1970er Jahren unternahm man Fahrten durchs Death Valley und in arktische Bereiche um – seinerzeit noch ganz simpel – das Kühl- und Heizsystem, sowie die Klimaanlage zu überprüfen. Nach und nach kamen viele weitere Punkte auf die Test-Agenda.

So wurde auch die neue S-Klasse BR222 auf eine beeindruckende Abnahmefahrt mitgenommen: man muss sich das so vorstellen, die Wagen beginnen ihre Tour in der flimmernden Hitze im Death Valley und sind wenige Tage später in der klirrenden Kälte Alaskas. Ein Martyrium!

Während im Death Valley (einem der heissen Orte der Welt) schlanke 56°C herrschen, so sind es in Alaska gut 80°C weniger, ein enormer Temperatursturz der Materialien durchaus negativ beeinflussen kann. Dies gilt es für die Forscher und Entwicklungsingenieure von Mercedes herauszufinden.

“Langsame Bergfahrt: langsam wie im Stau bergauf, Klima voll ein, Fahrzeug voll beladen, am Ziel nachheizen im Leerlauf”

Die genauen Testabläufe sind natürlich geheim und werden von jedem Automobil-Hersteller gehütet. Aber drei gröbere Beschreibungen darf man durchaus zitieren: als da wären zum einen eine Mischung aus langsamen und schnellen Bergfahrten, gerade hierfür ist das Death Valley prädestiniert, denn es ist heiß (wie jedem bekannt sein dürfte), aber es gibt auch alpine Bedingungen. Während die Sohle des Tales 86 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, befindet sich der Aussichtspunkt “Dante’s View” nach 37 Kilometern Fahrt in 1.667 Meter Höhe. Die Bergfahrten werden in verschiedenen Gängen mit voller Beladung und bei eingeschalteter Klimaanlage absolviert. Als nächstes steht auf dem Protokoll eine Auswahl an Standtests im Leerlauf – das zuvor heiß gefahrene Fahrzeug wird für eine definierte Zeit im Windschatten auf Asphalt geparkt und seiner Luft am Wagenbug beraubt. Der Motor läuft weiter und die Klimaanlage ist weiterhin eingeschaltet – ein echter Extremfall (Lastfall) für das Kühlsystem des Fahrzeugs. Den Höhepunkt bildet die sogenannte “Kollektivfahrt”, eine Aneinanderreihung der eben aufgeführten Messzyklen.

 

 

 

“HOT AS HELL!”

Das Ganze hat jedoch generell noch einen viel höheren Sinn – jedes Jahr brennen Touristenfahrzeuge im Death Valley ab, ganz einfach aus dem Grund weil sie sich selbst entzünden. Bei den dortigen Temperaturen eigentlich auch kein Wunder – jedoch nicht akzeptabel für einen Wagen mit dem Stern auf der Haube. Genauso wenig wie ein Versagen der Klimaanlage oder eine Leistungsbegrenzung dieser.

Der perfekte Kontrast dazu sind die Kaltstarts bei teilweise unter 30°C minus (als Höchsttemperaturen) in Fairbanks. Einer der Testwagen, ein Dieselmodell, wird gestartet und umgehend mit nahezu Vollgas davongefahren, nicht zur Nachahmung empfohlen. Jedoch ist dies einer der vorgeschriebenen Tests bei Daimler – das Motoröl ist dabei trotz seit Jahrzehnten genutzter Vollsynthesetechnik die ersten Minuten zäh wie kalter Honig. Diesen Test macht man nicht nur einmal, sondern jeden Morgen über zwei Wochen lang.

Das Klima ist bei der Wintererprobung so hart, das durch die normalerweise im Tanana-Valley vorherrschenden Inversionswetterlagen die Kondensfeuchtigkeit von Auspuff oder Heizungsanlagen als Eisschicht über alles legt. Deutlich härtere Bedingungen als sie zum Beispiel in Nordschweden getestet werden könnten – deshalb macht diese kleine Weltreise auch Sinn. Schließlich muss eine S-Klasse immer das gewährleisten weswegen ihr Besitzer sie gekauft hat, das Beste oder Nichts!

 
 
 
 
 
 

“COLD AS ICE!”

 
 
 
 
 
 
 
 

Außenthermometer enthalten in Alaska grundsätzlich eingefärbten Alkohol, nicht in erster Linie wegen Umweltschutzauflagen, sondern vielmehr als zwingendes Erfordernis. Das flüssige Metall gefriert bei 38,8°C, genau wie zum Beispiel bei den unwirtlichen Temperaturen auch Propan-Gas Heizungen einfach ausfallen – bei minus 42°C wird dieses nämlich flüssig. Man kann sich also gut vorstellen was ein Automobil erleiden muss. Merkt man doch schon hierzulande in einem strengen Winter wie ein Auto nach einer Nacht bei minus 15°C anspringt, unvorstellbar was bei -30°C und mehr der Fall sein muss.

Die neue S-Klasse ist jedenfalls auf den Einsatz bei der werten Kundschaft vorbereitet, egal ob in einer subtropischen Hauptstadt oder einem Skigebiet in den Alpen.

Fotos: ©Daimler AG

Kommentare