Leichtmetallscheibenräder, oder besser: die Fuchsfelge

Der Volksmund spricht gerne von Alufelgen, der Mercedes-Entusiast jedoch weiss dass es sich hierbei vielmehr um “Leichtmetallscheibenräder” handelt als nur um profane Alufelgen.

Die ersten Leichtmetallräder wurden bei Formel-Rennwagen eingesetzt. Das Prinzip der Verringerung des Gewichts der Räder um eine bessere Straßenlage und besseres Handling zu generieren, war nur durch Reduzierung der so genannten ungefederten Massen möglich. Somit war der Schritt nurmehr konsequent – am Gummimantel konnte man hierbei natürlich nicht sparen und die Technik der systematischen Erleichterung der Fahrwerkskomponenten steckte noch in den Kinderschuhen.

Der erste deutsche Serienwagen der mit Leichtmetallrädern geliefert werden konnte, war der Porsche 911 (auf der IAA 1963 als Typ 901 präsentiert) der den Porsche 356 beerbte.

Die Fuchsfelge war geboren!


Diese  Felgen  wurden  von der Otto Fuchs KG produziert – in einem speziellen Verfahren wird aus einem Aluminium-Gussblock mittels formgebender Presse  ein  Rohling  geschmiedet und dann durch weitere  Bearbeitung  letztendlich  eine   Felge produziert. Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass  nochmals  geringere  Gewicht  –  durch teilweise deutlich dünnere Wandstärken im Vergleich zu gegossenen Leichtmetallrädern – und ein charakteristisches  Erscheinungsbild.

An der Produktionsmethode hat sich bis dato nichts wesentliches geändert – auch heute noch ist es nur mittels der teureren, weil aufwendigeren, Schmiedetechnik möglich, filigrane und dennoch hochfeste Leichtmetallräder zu produzieren.

Bei Daimler-Benz war man Ende der 1960er Jahre gerade dabei – mehr im Geheimen als hochoffiziell – einen Supersportwagen im Kleid einer Luxuslimousine auf die Beine zu stellen. Es leuchtet ein dass hierfür keine normalen Stahlfelgen mit Radkappen mehr Verwendung finden konnten – gehörte es doch mittlerweile durchweg zum guten Ton bei diesen hochpotenten Fahrzeugen spezielle Felgen mitzuliefern.

Aber Daimler-Benz wäre nicht Daimler-Benz wenn sie sich mit dem erstbesten zufrieden gegeben hätten – die Suche war freilich nicht sonderlich schwer, sah man doch vor der eigenen Türe was bei Porsche Verwendung fand.

Und so kam es dass im Jahr 1968 mit dem neuen Typ 300SEL 6.3 (W109) auch erstmals ein Leichtmetallscheibenrad angeboten wurde – natürlich ebenfalls von der Firma Otto Fuchs im Schmiedeverfahren – wie alle Fuchsfelgen – gefertigt.

Das Foto – aufgenommen im Jahr 1969 auf der werkseigenen Steilwandkurve – zeigt das “rollende Labor” C111-I und die neuen Modelle 280SE, 300SEL 6.3 sowie einen 250/8.

Dieser  Felgentyp  wurde  nach  und  nach  für nahezu das gesamte  Mercedes Personenwagenprogramm  angeboten.  Er  fand von 1969 bis 1985 in folgenden Baureihen Verwendung: W108, W109, W113, W114, R/C107, W116, W123 und W/C/V 126.

In der 1.Serie des W126 wurde dieses Leichtmetallscheibenrad optional angeboten:

Für die Modelle 280S/SE/SEL wurde es in der Größe 6 Jx14 H2 ET30 geliefert. Bis 09/1981 mit Metallventil und der Teilenummer A108 400 09 20; ab 10/1981 mit Gummiventil und der Teilenummer A126 400 19 20. Die Reifendimension war 195/70 R14.

Bei den Achtzylindertypen 380 und 500 wurde es in der Größe 6 ½ Jx14 H2 ET30 geliefert. Ebenfalls bis 09/1981 mit Metallventil und der Teilenummer A108 400 10 02; ab 10/1981 mit Gummiventil und der Teilenummer A126 400 21 02. Die Reifendimension war 205/70 R14.

Scheibenrad-Ausführung:

Bis 09/1981 (ohne muldenförmiger Vertiefung am Ventilsitz – für Spezial-Metallventil, Pfeil linke Felge).

Ab 10/1981 (mit muldenförmiger Vertiefung am Ventilsitz – für Gummiventil, Pfeil rechte Felge).

Heute nennt man diesen Leichtmetallfelgentyp neben der schlichten Bezeichnung “Fuchsfelge” auch gerne “Barockfelge”. Sein charakteristisches aber zugleich minimalistisches Design hat aber mehr eine technische als stilistische Bewandtnis – getreu dem Motto bei Daimler-Benz “Form follows Function” – die so genannte Turboventilation wird durch diese Formgebung sehr gut gewährleistet und die Temperatur – besonders der vorderen, stärker belasteten – Bremsscheiben stabilisiert. Aus diesem Grund kann man auch sehr häufig bei stärker beanspruchten Fahrzeugen stark verschmutzte Felgen an der Vorderachse sehen.

Erst mit Einführung des ersten offiziellen Sport-Mercedes auf Basis der neuen kompakten Baureihe 190 (W201) im Jahre 1983 in Form des Typs 190E 2.3-16, wurde auch ein neues, sehr modernes Design für die Leichtmetallräder bei Daimler-Benz präsentiert.

Es verfügte ebenso über eine stark ausgeprägte Turboventilation bei gleichfalls verringertem Luftwiderstand und über ein noch geringeres Gewicht. Gepaart war das Ganze mit einer glattflächigen Stilistik die Bestens zur neuen, geradlinigen Designsprache der Mercedes Personenwagen aus der Hand des Chef-Stilisten Bruno Sacco passte.

In der 2.Serie des W126 wurde folgendes Leichtmetallscheibenrad optional angeboten:

Mit der großen Modellpflegemaßnahme (MOPF) wurde ab 09/1985 auch ein vollkommen neues Leichtmetallscheibenrad angeboten – es verfügte über größere Dimensionen als zuvor und war für alle Motorisierungen identisch. Egal ob es sich um einen 260SE oder den Typ 560SEL handelte, die Größe war immer 7 Jx15 H2 ET25 und besaß die Teilenummer A126 400 30 02. Jedoch rollten die Modelle 260SE bis 500SEL auf der Reifendimension 205/65 R15 aus dem Werk – die 5,6-l Modelle allerdings auf 215/65 R15.

Heute werden diese Felgen in der Mercedes-Youngtimerszene auch als “Gullideckel” bezeichnet und gehören besonders unter W126 und R107 Eignern zu den gesuchtesten Felgen in der Mercedes-Youngtimer Szene.

Serienmässig geliefert wurden sie beim W126 nur im Spitzenmodell mit dem 5,6-l Motor.

Wichtig für Interessenten ist, dass es verschiedene Ausführungen gegeben hat: zum Beispiel haben die Modelle in den Ländervarianten USA und Japan immer nur die Größe 6 ½ Jx15 H2 ET21,5 erhalten – alle Modelle rollten dort nur auf 205/65 R15 Bereifung, auch die 560er Modelle. Diese Ausführung hat die Teilenummer A126 400 41 02.

Wenn es sich nicht gerade um das Spitzenmodell der S-Klasse gehandelt hat, so konnte man dennoch mittels SA-Code 640 ebenfalls in den Genuss der Leichtmetallscheibenräder ab Werk kommen – in fünffacher Ausfertigung versteht sich – ganz gleich ob es sich dabei um einen Mercedes 190D oder einen 500SEC gehandelt hat.

Die Produktion der Schmiedefelgen

Uns von fünfkommasechs.de ist es eine große Ehre und Freude zugleich, hier und heute für unsere treuen Anhänger einmalige und bisher unveröffentlichte Photos aus der Produktion dieser Felgen präsentieren zu können:

Hier erkennt man den ersten Schritt zum charakteristischen Design – dem Vorschmieden der Räder.

Man erkennt sehr schön die Presse und vorne die bereits fertig gestanzten und geschmiedeten Felgenrohlinge der Barockfelge.

Zu den weiteren Bearbeitungsschritten zählen auch das Fertigdrehen und Walzen der Felgen.

Kontrollen nach jedem größeren Arbeitsschritt verstehen sich für ein Qualitätsprodukt von selbst.

In den weiteren Arbeitsschritten werden die Oberflächen der Felgen verputzt und zum Teil auch poliert um später ein schönes Finish der lackierten Felgen zu garantieren.

Allerdings wurden für spezielle Fahrzeuge und Märkte die Felgen auch hochglanzverdichtet oder poliert – wie hier bei Porsche-Felgen für den amerikanischen Markt zu erkennen.

Hier erkennt man wie mit modernsten computergesteuerten Anlagen Löcher für die Radbolzen und die spätere Zentrierung bei der Fahrwerksvermessung gebohrt wurden.

Anschliessend wurden die Felgen noch einmal auf genaueste Maßhaltung hin überprüft und der gleichmässige Rundlauf kontrolliert – bei jeder einzelnen Felge versteht sich.

Wir hoffen mit diesen Photos allen Lesern eine kleine Freude bereitet zu haben – auch für uns stellen sie eine absolute Besonderheit dar die man zuvor noch nie zu Gesicht bekommen hat.

Besonderem Dank gilt an dieser Stelle der Otto Fuchs KG, die es uns ermöglichte diese seltenen Aufnahmen hier präsentieren zu können.

Fotos: ©fuenfkommasechs.de & Otto Fuchs KG & Daimler AG

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