Pflege und Unterhalt

Daß eine S-Klasse kein Solarmobil für Sparfüchse ist, wird allgemein bekannt sein. Daß sich aber auch ein Jahrzehnte altes Exemplar dieser Klasse im Unterhalt kaum von den aktuellen W221-Modellen unterscheidet, dürfte manchen überraschen. Wenn wir S-Klasse-Besitzer regelmäßig mit dem Taxi fuhren, würden wir regelrecht Geld sparen. Das hat zwei Gründe:

Gerade die Spitzenmodelle 500 und 560 SE(L) haben ohne Rücksicht auf die mitunter 1,40€ pro Liter Super einen schier unstillbaren Durst. Bis zu 25 Liter pro 100km im Stadtzyklus und etwa 12-13 Liter auf staufreier Langstrecke sind achselzuckend hinzunehmen, tun sie doch dem Genuß am luxuriösen Dahingleiten keinen Abbruch. Ich gestehe, daß es mir sogar Spaß macht, für bisweilen hundertzwanzig Euro nach gerademal 450 Kilometern „einmal vollgetankt zu haben”. Mit dem edlen Sternenkreuzer kommt man eben auch schnell auf den dekadenten Humor.
Der zweite Grund für Unterhaltskosten auf Neuwagen-Niveau sind Reparaturen. Die sind beim Neuwagen zwar nicht zu erwarten oder durch Garantie abgedeckt, dafür aber spart man beim reparatur-affinen Altmercedes eine Menge an Versicherung. Ist man nun so pingelig, den alten Benz stets zur Mercedes-Vertragswerkstatt zu bringen, schlägt das erwartungsgemäß heftiger ins Kontor als beim Schrauber um die Ecke oder bei Eigenleistung. Wer aber einerseits nicht die nötigen Fachkenntnisse besitzt, um selbst Hand anzulegem, und andererseits gerne ein gut bestücktes Wartungsheft mit Mercedes-Stempeln zum Werterhalt des Fahrzeugs fortsetzen möchte, dem bleibt nichts anderes übrig. Doch wieviel Wartung und Reparatur sind eigentlich nötig? Darüber kann man freilich nur subjektive Aussagen treffen. Alles nötige wurde bei meinem Exemplar bereits in der ersten Saison instandgesetzt, die Wartung (Ölwechsel) sogar etwas übertrieben. Diese Arbeiten erfolgten ausschließlich durch Vertragswerkstätten von Mercedes-Benz – das ist letztlich eine Glaubensfrage – und belaufen sich in der Summe auf bisher rund 3.700€ (Stand: November 2006, s. Scheckheft). Wenn man so will, ist der Wagen damit momentan etwa 13.000€ wert, was er realistischerweise nicht erzielen würde, so ich ihn denn wieder loswerden wollte. Was zählt ist einzig der ideelle Wert, und der liegt für mich deutlich über seinem Neupreis.

17 l Verbrauch bei „normalem” Verkehr im Ballungszentrum sind Durchschnitt. Auf Langstrecke sind 12-13 l realistisch, in dichtem Stadtverkehr mit viel Stop&Go können es aber schnell auch 25 l werden

Aber sind das die Ausgaben, mit denen man rechnen muß? Nun, diese Unkosten waren eher „Investitionen”, also einmalige Reparaturen, nachdem der Wagen zum Zeitpunkt des Kaufs eben nur eine geschätzte Zustandsnote 3 hatte und ich alle wichtigen und auch einige unwichtige Defekte instandsetzen ließ. Jetzt würde ich ihm eine “schlechte Zwei” geben. Damit ließe er sich für die nächsten Jahre problemlos als Alltagsauto betreiben und lediglich Pflege- und Wartungsdienste wären zu erfüllen. Das dürfte inkl. Ersatz kleinerer Verschleißteile und Verbrauchsmaterialien jedoch nicht mehr als durchschnittlich 200-300 € pro Jahr kosten (bei einer moderaten Kilometerleistung von jährlich etwa 10.000km).

Auch wenn man sich an den Luxus längst gewöhnt hat, bleibt „Menge: 8” beim Rechnungsposten „Z-Kerzen” ein Highlight.

Um bei diesem Thema einem Mythos Rechnung zu tragen: ja, ein Mercedes ist eben ein Mercedes. Die Verarbeitung ist vorbildlich und die Dinger sind tatsächlich “für die Ewigkeit” gebaut, wie es der Volksmund weiß. Im Klartext bedeutet das: ein gepflegter W126er, respektive Motor und Getriebe  können eine Lebenserwartung von 500.000km und mehr erfüllen. Da man aber auch bei einem lückenlosen Scheckheft nicht wissen kann, was der/die Vorbesitzer mit dem Wagen schon veranstaltet hat/haben, läßt sich diese Aussage eben nicht auf jeden noch so gut dastehenden Gebrauchten anwenden. Es ist also keine schlechte Idee, nach dem Kauf nochmal ein paar tausend Euro in Reserve zu behalten, um kurzfristig auf “böse Uberraschungen” reagieren zu können.

Als essentielle Ersparnis bei Unterhaltskosten und Material empfielt sich eine Saisonzulassung, bspw. von April bis einschließlich Oktober. Einerseits spart man durch die fünf Monate Pause auch fünf 12tel an Steuern und Versicherung, andererseits verlangsamt man so drastisch den Verschleiß des Wagens und reduziert das Unfallrisiko.
Einerseits geht es um die Umweltbedingungen. Da ein W126er nur mit Mühe vollsynthetisches Öl mit extrem niedriger Viskosität bei sich behalten kann, das empfohlene “10W40” aber nicht sofort nach Start die volle “Schmierleistung” bringt, verschleißt der Motor in der Warmlaufphase am meisten. Wenn draußen Minusgrade herrschen, eben noch weitaus stärker, da es länger dauert, bis das Öl flüssig und der Motor warmgelaufen sind.

Wer über eine Garage verfügt und den Wagen ohnehin nur bei gutem Wetter rausholt, kann natürlich auch auf eine Saisonzulassung und „die paar Euro Steuer- und Versicherungs-Ersparnis” verzichten und es der eigenen Vernunft überlassen, ob und wann er auch in den Wintermonaten fahren möchte. Aber: fünf Monate verschriebene Enthaltsamkeit halten die Freude über den Wagen eben auch stetig frisch! Wenn man am 31. Oktober schon weiß, man “darf erst wieder zum 1. April S-Klasse fahren”, hat man etwas, auf das man sich den gazen grauen Winter über freuen kann! In der Zwischenzeit baut man eben eine Website über das Liebhaberstück, so wie ich :-)Dann bringt der Winter mit Schnee und Matsch logischerweise auch ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich. Auch wenn man sich selbst durchaus imstande sieht, den schweren Wagen mit seinem Heckantrieb vorsichtig und sicher über schneeglatte Fahrbahnen manövrieren zu können: was ist mit den anderen Idioten auf Deutschlands Straßen? Materielle Werte kann man zwar ersetzen, aber den ideelle Schaden im Falle eines unverschuldeten Unfalls macht keine gegnerische Versicherung wieder gut.

Die Pflege ist – zumal bei einem reinen Sommerfahrzeug – meistens eher Kür als Pflicht. Ich persönlich versuchte, den Wagen bislang immer „fototauglich” zu halten. Das ist nicht weiter verwunderlich für den Leser angesichts der vielen Abbildungen des Wagens hier auf der Website, die tatsächlich (so nicht anders gekennzeichnet) allesamt selbst fotografiert sind. So hat man nach Feierabend jederzeit die Möglichkeit, ein besonders gutes Licht nocheinmal für einige Schnappschüsse auszunutzen.

Der Wagen wird i.d.R. zweimal während der Saison aufwendig gereinigt und gewachst: einmal bei Bedarf und Gelegenheit irgendwann im Sommer, und einmal kurz vor dem Einmotten Ende Oktober. Damit ist er gegen Kondenswasser gut geschützt und beim Rausholen im Frühjahr auch automatisch schon in bestem Glanze. Desweiteren steht für mich einmal in der Woche ein Boxenstopp an der SB-Waschanlage (Hochdruckreiniger) an, oder – wenn es die Zeit nicht anders erlaubt – die Textilwaschanlage (natürlich ohne Heißwachs), verbunden mit einer Innenreinigung.
Für das Selberwaschen und -wachsen von Hand haben sich bei mir die Produkte von Meguiar’s („TechWax”) bestens bewährt. Es geht natürlich speziell beim Wachs auch noch eine ganze Ecke exklusiver, und zwar mit Swizöl. Das halte ich aber bei aller Liebe zum Fahrzeug für übertrieben.

Die restliche Pflege konzentriert sich auf das Fetten von Scharnieren und Dichtungen, sowie dem Schmieren der Schiebedachführung. Sowas wird je nach Bedarf bei einer der halbjährlichen Grundreinigungen gleich mit erledigt. Von den Dingen, die bei jedem Auto (ob alt oder neu) selbstverständlich sein sollten, ganz abgesehen: also Reifen aufpumpen, Kühl- und Spritzwasser nachfüllen, Ölstand kontrollieren etc.

Bei all diesen Dingen steht für mich im Vordergrund: der Wagen darf ab jetzt nicht mehr altern, sondern sollte – soweit es machbar ist – jedes Jahr um 13 Monate jünger werden. In einer perfekten Welt werde ich also 234 Jahre alt und den Wagen dann endlich als Neuwagen wiederverkaufen können!

Fotos: ©fuenfkommasechs.de

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